KI-Kennzeichnungspflicht ab 2. August: Und was unser Second Brain jetzt kann
Am 2. August 2026 greift Artikel 50 der EU-KI-Verordnung, die Transparenz- und Kennzeichnungspflicht für KI-Inhalte. In meinem Feed kursieren dazu zwei Varianten: Entweder muss jetzt alles gekennzeichnet werden, oder es betrifft nur Konzerne. Beides stimmt nicht. Diese Folge sortiert, was in der Pferdewelt wirklich betroffen ist (Chatbots, fotorealistische Bilder und Stimmen, bestimmte Texte ohne menschliche Prüfung) und was ausdrücklich nicht (Newsletter, Sales-Pages, Werbeanzeigen, Kursunterlagen). Dazu der übersehene Unterschied zwischen Betreiber und Anbieter und zwei echte Baustellen aus unserer eigenen Praxis. Im zweiten Teil: sechs Dinge, die unser Second Brain nach rund einem Jahr Aufbau heute leistet, inklusive der ehrlichen Bilanz.
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Das nimmst du mit
- Es gibt keine pauschale Kennzeichnungspflicht für KI-Texte. Newsletter, Sales-Pages, Landingpages, Werbeanzeigen, Produktbeschreibungen und Kursunterlagen sind ausdrücklich ausgenommen. Wer mit KI seine Verkaufsmails schreibt, kann entspannt bleiben.
- Betroffen sind drei Fälle: Chatbots und Voicebots, fotorealistische Bilder, Videos und Stimmen, sowie KI-Texte zu gesellschaftspolitischen Themen, die ohne menschliche Prüfung veröffentlicht werden.
- Die wichtigste Zeile im Gesetz ist die Rückausnahme: Sobald ein Mensch den Text inhaltlich prüft und die redaktionelle Verantwortung übernimmt, entfällt die Pflicht. Überfliegen reicht nicht, echtes Redigieren schon. Es genügt, diesen Review zu dokumentieren.
- Der Punkt, den fast alle übersehen: Wer einen eigenen Chatbot unter eigenem Namen auf eigener Infrastruktur betreibt, rutscht möglicherweise von der Betreiber- in die Anbieterrolle. Damit kommen Pflichten am System selbst dazu, nicht nur am sichtbaren Hinweis.
- Der Wert eines Second Brain entsteht nicht am ersten Tag, sondern dadurch, dass sich Wissen aufsummiert statt zu verfallen. Es nimmt dir das Suchen ab, das Wiederholen und das Bei-null-Anfangen. Die Entscheidungen triffst weiterhin du.
Das perfekte Pferd im Feed gibt es gar nicht
Ich konsumiere in der Regel wenig Social Media. Aber wenn ich doch mal durch meinen Feed scrolle, sehe ich seit Wochen immer wieder dasselbe Bild: Ein Pferd auf der Koppel, goldenes Abendlicht, Staub in der Luft, alles perfekt.
Und ich denke jedes Mal: Das Pferd gibt es gar nicht.
Das sind KI-Bilder. Manchmal richtig schlechte, oft aber auch richtig gute. Vor einem Jahr hast du die noch an sechs Hufen und drei Ohren erkannt. Heute erkennst du sie oft überhaupt nicht mehr.
Und genau das wird in wenigen Tagen für manche zu einem Thema.
Was am 2. August wirklich greift
Am 2. August 2026 greift Artikel 50 der EU-KI-Verordnung, die sogenannte Transparenz- und Kennzeichnungspflicht für KI-Inhalte.
In meinem Feed lese ich seit Wochen zwei Varianten davon. Die eine lautet: Ab August muss jeder KI-Text gekennzeichnet werden, sonst wird es teuer. Die andere lautet: Betrifft sowieso nur die Konzerne, kannst du ignorieren.
Beides stimmt nicht. Und wie immer, wenn eine Sau so durchs Dorf getrieben wird, lohnt es sich, einmal selber nachzuschauen. Das habe ich getan, weil wir bei Kernkompetenz Pferd an mehreren Stellen KI im Einsatz haben und ich wissen wollte, was das für uns bedeutet.
⚖️ Wichtig: Ich bin kein Anwalt und das hier ist keine Rechtsberatung. Es ist die Orientierung, die ich mir für unser eigenes Business erarbeitet habe. Bei echten Grenzfällen führt kein Weg an professioneller Beratung vorbei.
Die gute Nachricht zuerst: Dein Marketing ist raus
Es gibt keine pauschale Kennzeichnungspflicht für KI-generierte Texte. Punkt.
Nicht kennzeichnungspflichtig sind unter anderem:
- Newsletter und E-Mail-Serien zu deinen eigenen Angeboten
- Sales-Pages und Landingpages
- Werbeanzeigen
- Produktbeschreibungen
- Fachbeiträge mit praktischer Anleitung
- Skripte, Handouts und Folien für deine Kurse
Wenn du also mit KI deine Verkaufsmails schreibst oder deine Kursunterlagen aufbereitest: Bleib entspannt, da ändert sich für dich nichts.
Die drei Fälle, die wirklich betroffen sind
1. Chatbots und Voicebots
Wer mit dir schreibt oder spricht, muss wissen, dass da eine KI antwortet und kein Mensch. Das gilt für das Chat-Widget auf deiner Webseite genauso wie für einen KI-Assistenten in einem Onlinekurs.
Und das betrifft in unserer Branche mehr Leute, als du denkst. Ich sehe inzwischen bei einigen Trainerinnen und Therapeuten so einen kleinen Berater auf der Webseite. Manchmal heißt der irgendwie nett und persönlich, und genau dann fehlt oft der Hinweis, dass da eine KI dahintersteckt.
Auch automatisierte E-Mails fallen darunter: Standard-Support-Antworten und Terminanfragen, die ohne menschliches Review rausgehen, müssen gekennzeichnet werden.
2. Fotorealistische Bilder, Videos und Stimmen
Das sind die klassischen Deepfakes. Gemeint ist immer dann, wenn beim Betrachter der Eindruck entstehen kann, das sei eine echte Aufnahme. Also der KI-Avatar von dir selbst im Verkaufsvideo. Die geklonte Stimme für dein Hörbuch. Oder eben das perfekte KI-Pferd im Abendlicht, das aussieht wie fotografiert.
Und das ist der Punkt, an dem ich in unserer Pferdewelt am meisten sehe. KI-Bilder von Pferden sind überall: in Blogartikeln, in Werbeanzeigen, auf Kursseiten, in Freebies. Und die allerwenigsten davon sind irgendwo als KI gekennzeichnet.
3. Texte zu Angelegenheiten von öffentlichem Interesse
Gemeint ist der Bereich der öffentlichen Meinungsbildung: Politik, Gesellschaft, Gesetzgebung. Und jetzt kommt die Rückausnahme, und die ist für uns alle wahrscheinlich die wichtigste Zeile im ganzen Gesetz.
Sobald ein Mensch den Text inhaltlich prüft und die redaktionelle Verantwortung übernimmt, entfällt diese Pflicht. Überfliegen und Rechtschreibprüfung reichen nicht. Echtes Redigieren schon.
Im Klartext: Wenn du deine KI-Entwürfe sowieso selber durchgehst, bevor sie rausgehen, dann hast du diesen Punkt längst erledigt. Du musst deinen Review nur dokumentieren, statt ihn nur zu machen. Bei uns übernimmt das der Status im Redaktionstool: Da steht drin, wer freigegeben hat und wann. Mehr braucht es nicht.
Und für die meisten von uns in der Pferdebranche gilt sowieso: Pferdegesundheit, Training oder Fütterungsberatung ist Fachberatung und keine gesellschaftspolitische Debatte. Da sind wir schon von der Themenseite her draußen.
Betreiber oder Anbieter: Der Unterschied, den fast alle übersehen
Das ist der Punkt, den ich in keinem der Panik-Posts gelesen habe, und ich finde ihn fast am spannendsten. Das Gesetz unterscheidet nämlich zwei Rollen.
Betreiber bist du, wenn du fertige KI-Tools in deinem Business benutzt: ChatGPT, Claude, Canva mit seinen KI-Funktionen. Das ist der Normalfall und der bequemere. Du schuldest dann nur die sichtbare Offenlegung gegenüber deinem Publikum.
Anbieter bist du, wenn du ein KI-System unter deinem eigenen Namen bereitstellst. Wenn du dir einen eigenen Chatbot baust, ihn auf deiner Infrastruktur betreibst und ihn als dein Produkt anbietest, dann rutschst du möglicherweise in diese Anbieterrolle. Und dann kommen Pflichten am System selbst dazu, nicht nur am sichtbaren Hinweis.
Das trifft in unserer Branche genau die, die vorne mit dabei sind: jeden mit einem eigenen Kurs-Bot, jeden, der einen Custom GPT als Produkt verkauft. Das ist übrigens einer der beiden Punkte, die ich bei uns noch genauer prüfen lasse, weil unsere Lernassistenten genau in diesen Bereich fallen.
Richtig kennzeichnen: Vier Regeln
Erstens: Sichtbar am Medium, nicht nur in den Metadaten. Viele Tools setzen unsichtbare Wasserzeichen ins Bild. Das ist schön, erfüllt deine Pflicht aber nicht. Was zählt, ist ein Hinweis, den ein Mensch ohne Hilfsmittel wahrnimmt.
Zweitens: Plattform-Labels reichen nicht. Der KI-Schalter bei Instagram ist gut gemeint, aber das Label verschwindet in dem Moment, in dem jemand dein Bild herunterlädt, einbettet oder weiterschickt. Der Hinweis gehört ans Medium selbst.
Drittens: Klare Formulierungen statt Fantasie. Also „KI-generiertes Symbolbild". Oder „Bild real, mit KI bearbeitet". Oder „Diese Tonspur wurde künstlich erzeugt". Bei Video blendest du das in den ersten Sekunden ein. Bei reinem Audio, etwa bei einem Hörbuch, sprichst du es zu Beginn, denn eine Einblendung hilft dort niemandem.
Viertens, mein Lieblingshebel: Denk an den Alt-Text. Statt „Braunes Pferd im Trab auf dem Sandplatz" schreibst du „KI-generierte Darstellung eines braunen Pferds im Trab auf dem Sandplatz". Eine Zeile, und du erfüllst zwei Anforderungen gleichzeitig, nämlich die Kennzeichnung und die Barrierefreiheit.
Der elegante Ausweg und zwei Fallen im Bestand
Nicht kennzeichnungspflichtig sind Illustrationen, Comics, Infografiken, Icons und schematische Darstellungen. Weil man da auf den ersten Blick sieht, dass das keine Fotografie ist. Ein illustrativer Stil nimmt dir das Thema also komplett ab. Wer zum Beispiel Erklärvideos in einem schematischen Look produziert, ist direkt im grünen Bereich.
Die Verordnung wirkt nicht rückwirkend. Du musst also weder dein Archiv aufräumen noch jeden alten Beitrag anfassen. Zwei Dinge solltest du trotzdem wissen:
- Ein Repost zählt als neue Veröffentlichung. Das alte KI-Bild, das du im September nochmal auf Instagram spielst, braucht die Kennzeichnung.
- Laufende Anzeigen auch. Eine Ad mit KI-Bildern, die über den Stichtag hinaus weiterläuft, wird fortlaufend veröffentlicht. Wenn du Kampagnen im Dauerbetrieb hast, schau vorher einmal durch.
Und wenn du mit externen Textern, Designerinnen oder einer Agentur arbeitest: Du haftest für das, was unter deinem Namen rausgeht. „Das hat die Agentur so geliefert" schützt dich nicht. Eine kurze Klausel im Vertrag reicht, in der dein Dienstleister erklärt, wo KI im Spiel war.
Was bei Verstößen droht
Im Gesetz stehen bis zu 15 Millionen Euro oder 3 Prozent Jahresumsatz. Diese Zahl geistert gerade durch jeden zweiten Beitrag, und sie ist für uns ehrlich gesagt die falsche Sorge. Sie zielt auf Konzerne, für kleinere Unternehmen gilt Verhältnismäßigkeit.
Das realistische Risiko ist ein anderes: die wettbewerbsrechtliche Abmahnung. Wer ein KI-Foto als echte Aufnahme ausgibt, handelt irreführend, und das kann ein Mitbewerber oder ein Verband kostenpflichtig abmahnen. Deutlich wahrscheinlicher als Post von einer Behörde und trotzdem unangenehm. Wir kennen das Muster von früheren Rechtsthemen: Kaum ist etwas in Kraft, durchsuchen spezialisierte Kanzleien das Netz nach Verstößen.
Zwei Baustellen aus unserer eigenen Praxis
Bei uns hat die Bestandsaufnahme genau zwei echte Baustellen ergeben, und beide waren kleiner, als ich befürchtet hatte.
Die erste waren zwei KI-Bilder in einem Fachartikel. Ich hatte einen Blogartikel überarbeitet, auf den neuesten Stand gebracht und dabei zwei fotorealistische Pferdebilder generiert und eingebunden. Ehrlicherweise war das nicht nötig, ich wollte testen, wie das in einem vollautomatisierten Prozess funktioniert. Rechtlich ist das ein Graubereich, weil kein bestimmtes existierendes Tier abgebildet ist.
Unsere Entscheidung war trotzdem eine andere: Wir kennzeichnen sie nicht, sondern fotografieren die beiden Motive einfach echt nach. Damit ist die Frage an der Wurzel erledigt, und es passt besser zu einer Marke, die für echte Praxis steht. Nicht jede Compliance-Frage muss man juristisch lösen. Manchmal ist die Umgehung billiger als die Klärung.
Die zweite Baustelle war unser KI-Lernassistent im Kurs. Der heißt im Umfeld überall sichtbar „KI-Lernassistent", der Hinweis steht also da. Aber er steht um das Chatfenster herum und nicht darin. Wird das Fenster einzeln geladen, ist die Offenlegung weg. Der Fix war ein Satz als erste Nachricht des Bots, in der er sich als KI vorstellt. Keine zwei Minuten Arbeit.
Und dann gab es noch einen Fall, der keiner wurde. Ich hatte einmal einen KI-Avatar von Veronika trainiert, der theoretisch als Markengesicht auftreten könnte. Live war der nie, das war ein Test, und erstaunlicherweise ein ziemlich guter. Wir haben daraus eine harte Hausregel gemacht: kein fotorealistischer Avatar einer echten Person nach außen, auch nicht gekennzeichnet.
Rechtlich wäre es mit Hinweis erlaubt. Aber Veronika ist die fachliche Autorität dieser Marke, und dieses Vertrauen ist zu teuer, um es für ein gespartes Foto- oder Videoshooting zu riskieren. Manche Grenzen zieht man besser selbst, bevor der Gesetzgeber es tut.
Deine Checkliste für die nächste Stunde
- Tool-Liste machen. Welche KI-Tools laufen bei dir überhaupt? Das dauert fünf Minuten und wird meistens länger als gedacht.
- Bots aufspüren. Chat-Widget auf der Webseite, Kursassistent, automatische Mail-Antworten, ein Custom GPT, den du an Kunden rausgegeben hast. Überall den Hinweis in die erste Nachricht setzen, nicht nur ins Drumherum.
- Fotorealistische KI-Medien durchgehen. Bilder, die wie echte Fotos aussehen, geklonte Stimmen, Avatare. Kennzeichnen oder ersetzen.
- Review dokumentierbar machen. Wer gibt frei und wann? Wenn das irgendwo sichtbar ist, bist du bei den Texten fein raus.
- Dienstleisterverträge um eine kurze Deklarationsklausel ergänzen.
Und was du nicht tun musst: Newsletter kennzeichnen, Sales-Pages kennzeichnen, dein Archiv aufräumen, in Panik verfallen.
Ein Ausblick noch: Die EU-Kommission legt einen Verhaltenskodex mit standardisierten Icons und Platzierungsvorgaben nach. Wer sich daran hält, steht später besonders sicher da. Ich schaue mir das nach dem Stichtag an und melde mich, sobald es etwas Handfestes gibt.
Teil 2: Was unser Second Brain jetzt alles kann
In Folge 28 ging es darum, was ein Second Brain überhaupt ist. Ganz kurz für alle, die das nicht gehört haben: Ein Second Brain ist kein Tool und kein Anbieter, sondern ein Konzept. Du bündelst dein gesamtes Wissen an einem Ort und setzt dann eine KI darauf an. Bei uns ist das ein ganz normaler Ordner auf dem Rechner, voll mit Textdateien, dargestellt in Obsidian. Arbeiten kann ich daran mit jeder beliebigen KI, aktuell überwiegend mit Claude, manchmal mit der Codex-App.
Das war die Theorie. Jetzt wird es praktisch. Ich baue unser Second Brain seit rund einem Jahr Schritt für Schritt auf, sehr projektbezogen, und es kommt bis heute täglich Wissen dazu. Sechs Dinge, die vorher schlicht nicht gingen:
1. Ein Newsletter, der durch das ganze Haus läuft
Ich sage: Schreib den Newsletter zum Monatsthema. Und dann passiert Folgendes, ohne dass ich noch etwas dazu sage.
Das System holt sich zuerst Veronikas Stimme aus der Business-DNA, also wie sie klingt, wie sie anredet, welche Floskeln bei uns verboten sind. Dann geht es ins E-Mail-Playbook, unsere destillierte Sammlung an Betreff-Mechaniken und Strukturen. Dann prüft es im Blog- und Podcast-Archiv sowie in den Kursinhalten, ob wir zu diesem Thema schon etwas veröffentlicht haben. Wenn ja, übernimmt es die Kernaussagen und verlinkt die passende Folge, statt das Thema neu zu erklären. Dann holt es aus dem Wissensarchiv unserer Mitglieder, wie unsere Leute über dieses Thema tatsächlich sprechen. Und zum Schluss sucht es aus unserer Bilddatenbank ein passendes echtes Foto samt fertigem Alt-Text.
Am Ende liegt ein Newsletter da, der klingt wie Veronika, der fachlich zu neun Jahren Content passt und der die Sprache unserer Zielgruppe spricht. In Minuten.
Wichtig, damit kein falscher Eindruck entsteht: Der geht so nicht raus. Der Entwurf landet automatisiert in einer Notion-Datenbank, Veronika bekommt Bescheid, liest ihn und ändert daran herum. Was versendet wird, ist ihre Fassung. Aber der Unterschied zwischen „ich fange bei null an" und „ich überarbeite einen Entwurf, der schon nach mir klingt" ist gewaltig.
Und das Beste: Das Second Brain wertet ihre Änderungen aus und lernt daraus für die nächste Runde. Mit jeder Schleife wird es besser.
2. Was haben wir dazu eigentlich schon mal gesagt?
Klingt banal, ist aber der Punkt, den ich im Alltag am häufigsten brauche.
Wir machen seit fast zehn Jahren Content: Podcast, Blog, Onlinekurse, Newsletter, Webinare. Irgendwann kommt der Moment, wo du zu einem Thema etwas Neues schreibst und nicht mehr sicher weißt, was ihr vor drei Jahren dazu gesagt habt. In einem Gesundheitsthema ist das kein Schönheitsfehler, sondern ein echtes Problem. Wenn du heute etwas anderes sagst als vor drei Jahren, ohne es zu erklären, verlierst du genau das Vertrauen, von dem du lebst.
Jetzt liegt das komplette veröffentlichte Archiv als durchsuchbare Textdateien im System. Ich frage einfach, was wir zum Thema X schon gesagt haben, und bekomme die Beiträge, die Kernaussagen und Veronikas Position. Kein Widerspruch mehr, und statt neu zu erklären wird auf das Bestehende verlinkt.
3. Bilder finden statt Bilder suchen
Davon hatte ich in Folge 24 erzählt, als die Bilddatenbank entstand.
Der Zustand vorher: Unsere Fotos lagen überall. In verschiedenen Drive-Ordnern, auf privaten Konten, lokal auf Laptops. Du hast dieses eine Bild genau vor Augen, findest es aber nicht.
Heute liegt praktisch jedes Bild kategorisiert, verschlagwortet und mit fertiger Beschreibung in einer durchsuchbaren Datenbank. Aus einer Suche ist eine Abfrage geworden. Und wenn aus einem Podcast-Transkript automatisiert ein Blogartikel entsteht, werden passende Bilder direkt in den Entwurf gezogen. Auch hier gilt: in den Entwurf. Die Freigabe erfolgt durch Veronika.
Und hier schließt sich der Kreis zum ersten Teil dieser Folge. Weil wir eine ordentliche Datenbank mit echten Bildern haben, ist die Reihenfolge bei uns fest: erst das Echtbild, dann Icons, und ein KI-Bild nur, wenn es wirklich nicht anders geht. Wer bei Schritt eins bleibt, hat das ganze Kennzeichnungsthema gar nicht erst auf dem Tisch.
4. Präsentationen ohne Designer
Wir halten Webinare und Workshops, und dafür brauchen wir Folien. Früher hieß das: Inhalt sammeln, Folien bauen, Design zurechtfrickeln. Und am Ende sah jede Präsentation ein bisschen anders aus als die letzte.
Heute liegt im System ein Präsentations-Playbook mit Didaktik und Dramaturgie, dazu eine Vorlage im Markenlook. Ich sage nur, worüber gesprochen werden soll. Das System recherchiert den Fachinhalt aus dem eigenen Archiv, schreibt ein Konzept Folie für Folie, ich gebe frei, und dann steht das Deck. Es sieht aus wie jede Präsentation, die wir in den letzten Jahren gemacht haben.
5. Aus der eigenen Zielgruppe lernen, systematisch
Das ist der Punkt, der strategisch am meisten bringt und von außen am wenigsten sichtbar ist.
In der KKP Welt läuft jeden Monat ein Fachthema. Und da passiert das Wertvollste, was ein Business bekommen kann: Menschen stellen echte Fragen, in ihren eigenen Worten, mit ihren echten Sorgen. Früher war das ein Strom, der vorbeirauschte.
Heute ist dieser Bereich angebunden, und einmal im Monat wird er destilliert. Also nicht kopiert, sondern verdichtet, und zwar DSGVO-konform mit anonymisierten Namen und ohne Kontaktdaten. Welche Fragen kommen wieder, wo hakt es, wie formulieren die Leute das? Daraus entsteht pro Monatsthema eine Notiz, die zurück in Personas, Content-Ideen und Produktentwicklung fließt.
6. Der Moment, an dem es mir selbst unheimlich wurde
Für das Second-Brain-Webinar wollte ich eine Ausarbeitung haben. Eine Art Blaupause, die zeigt, wie so ein System aufgebaut ist: Konzept, Struktur, Arbeitsweise.
Diese Ausarbeitung hat das Second Brain selbst geschrieben. Über sich selbst. Inklusive aller Bilder. Ich habe das Ding hinterher gelesen und dachte: Das ist besser strukturiert, als ich es geschrieben hätte, und es steht nichts drin, was nicht stimmt.
Und weil das offenbar Schule macht: Dieser Podcast ist gerade auch eingezogen. Alle 28 bisherigen Folgen liegen jetzt als einzelne Dateien im System, jede mit Transkript, Kurzfassung und Kernpunkten. Ich kann also fragen, ob ich ein Thema schon einmal hatte und in welcher Folge es steckt. Und ja: Die Folge, die du gerade hörst, ist damit vorbereitet worden.
Warum das wirkt: Wissen summiert sich auf
Der eigentliche Punkt ist gar keiner von diesen sechs. Der eigentliche Punkt ist, was passiert, wenn man das eine Weile macht.
Das System wird mit jeder Aufgabe besser. Jede analysierte E-Mail landet im Playbook. Jeder destillierte Monat schärft das Bild von der Zielgruppe. Jedes neue Bild macht die Datenbank vollständiger. Das ist Wissen, das sich aufsummiert, statt zu verfallen.
Und das ist das Gegenteil von dem, was die meisten mit KI machen. Der Normalfall ist: Du machst einen Chat auf, kriegst ein Ergebnis, machst den Chat wieder zu, und beim nächsten Mal fängst du wieder bei null an. Nichts davon bleibt.
Der zweite Punkt ist die Kontinuität. Kennst du die Situation, wo du an etwas arbeitest und denkst, das hattest du doch schon mal, irgendwo in irgendeinem Chat vor einem halben Jahr? Und dann suchst du zwanzig Minuten und machst es am Ende neu? Das ist bei mir komplett weg. Ich frage einfach, und das System weiß es.
Und der dritte Punkt, den ich fast am wichtigsten finde: Das Wissen hängt nicht mehr an unseren Köpfen. Wenn morgen jemand Neues bei uns anfängt, ist der nicht drei Monate im Onboarding, sondern hat sofort den Kontext.
Die ehrliche Seite
Weil ich hier keine Hochglanzgeschichte erzählen will.
Das war Arbeit. Richtig viel Arbeit. Das ist nichts, was du an einem Wochenende aufsetzt, und wer dir das erzählt, verkauft dir Illusionen. Ich sitze seit rund einem Jahr immer wieder daran und bin bei etwa 85 Prozent von dem, was ich eigentlich drin haben will. Es fällt mir ständig noch etwas ein, und das Business wächst ja weiter. Das ist nie zu Ende.
Das System wird nicht durch Planen gut, sondern durch Benutzen. Jede Aufgabe, die durchläuft, zeigt dir, welche Datei fehlt und welche Regel zu unscharf ist. Wenn ich noch einmal anfangen würde, würde ich mit deutlich weniger Struktur starten und früher anfangen, damit zu arbeiten. Die Struktur wächst mit der Zeit.
Und drittens, das ist mir wirklich wichtig: Das Second Brain nimmt dir nicht das Denken ab. Es nimmt dir das Suchen ab, das Wiederholen und das Bei-null-Anfangen. Die Entscheidungen triffst weiterhin du. Wenn du dir angewöhnst, alles durchzuwinken, was da herauskommt, dann hast du ein sehr effizientes System gebaut, das sehr effizient mittelmäßige Sachen produziert.
Also auch hier wieder: Team Kopf einschalten.
Einladung und Themenwünsche
Wenn dich das Second-Brain-Thema gepackt hat: Im KI Business Club haben wir dazu vor Kurzem ein Webinar gemacht, das der Startschuss für eine über mehrere Monate laufende Reihe war. Der Club hat die Türen zwar wieder geschlossen, aber wenn du dabei sein möchtest, schreib mich einfach an, dann finden wir eine Lösung.
Und jetzt bin ich neugierig: Hast du irgendwo einen Bot laufen, bei dem du dir gerade unsicher bist? Oder Anzeigen, die über den Stichtag weiterlaufen? Lass es mich wissen.
Themenwünsche, allgemein zu KI oder mit besonderem Bezug zur Pferdewelt, gerne per Mail an hendrik@ki-tuepfelchen.de (Tüpfelchen mit ue geschrieben). Und wer einen Pferdemenschen oder ein Unternehmen aus der Pferdewelt kennt, bei dem KI bereits eine wichtige Rolle spielt, vielleicht sogar du selbst, darf sich ebenfalls melden.
Bis zum nächsten Mal!