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Zwischen Ethics-Washing und echtem KI-Alltag: 5 Themen in einer Folge

Von KIBC-Launch-Learnings über Anthropics PR-Schachzug mit dem Pentagon bis zum ehrlichen KI-Setup-Check: Hendrik packt fünf Themen aus, die ihn die letzten zwei Wochen beschäftigt haben – inklusive fünf konkreter Claude-Code-Projekte und einem Futtermittel-Detektiv, der kein Produkt verschont.

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Das nimmst du mit

  • Das Kaufverhalten hat sich 2026 fundamental verändert: 60 % der KIBC-Anmeldungen kamen am letzten Tag statt wie früher am ersten. Menschen brauchen mehr Berührungspunkte und Vertrauen, bevor sie kaufen.
  • Anthropics Pentagon-Rückzug war weniger Ethik-Heldentum als ein kluger PR-Schachzug – wer gleichzeitig Börsengang plant und die eigene KI-Verfassung für kommerziellen Druck bedauert, betreibt Ethics-Washing.
  • ChatGPT ist zum Google-Ersatz geschrumpft, Claude ist das Haupttool für echte Arbeit, Gemini glänzt im Google-Ökosystem und bei der Bildgenerierung – drei Tools, drei klare Rollen.
  • Als Nicht-Entwickler mit Claude Code fünf eigenständige Web-Projekte realisiert: von der KI-Tüpfelchen-Website über KKP-Landingpages bis zur MindMaper-App – das war vor einem Jahr undenkbar.
  • KI als Futtermittel-Detektiv: Werbeversprechen, Inhaltsstoff-Dosierungen und Studienbezüge von Pferdefuttermitteln kritisch prüfen – bei jedem getesteten Produkt hat die KI Missstände aufgedeckt.

KIBC-Launch: Das Learning, das uns überrascht hat

Der KI Business Club hat seinen Launch abgeschlossen und die Tore wieder geschlossen. Viele neue Mitglieder sind an Bord – Unternehmer:innen, Selbstständige und Solopreneure aus ganz verschiedenen Bereichen. Das bestätigt den Kern des KIBC: Die Kluft zwischen den Möglichkeiten von KI und der Frage, wie man damit im eigenen Business anfängt, wird immer größer.

60 Prozent am letzten Tag

Die Zahl, die wirklich zum Nachdenken bringt: 60 Prozent aller Anmeldungen kamen am letzten Tag. Früher war es umgekehrt – 60 Prozent am ersten Tag, der Rest verteilt sich. Das hat sich komplett gedreht.

Was heißt das? Das Kaufverhalten hat sich fundamental verändert. Menschen brauchen 2026 deutlich mehr Berührungspunkte, mehr Vertrauen und mehr Zeit, bevor sie eine Kaufentscheidung treffen. Das verändert die Art, wie Launches geplant und durchgeführt werden müssen, grundlegend.

98 Prozent der neuen Mitglieder haben übrigens die 3-Monats-Variante als Einstieg gewählt – ein klares Signal: Reinschnuppern, Vertrauen aufbauen, dann weitersehen.

Anthropic vs. Pentagon: Ethics-Washing statt Ethik-Heldentum

Kurze Zusammenfassung für alle, die es nicht mitbekommen haben: Anthropic wollte seine KI-Systeme nicht für Pentagon-Projekte lockern, wurde daraufhin ausgeschlossen, und OpenAI hat den Vertrag übernommen. Was folgte, war ein medialer Shitstorm gegen OpenAI – und Anthropic wurde über Nacht zum Ethik-Helden gekürt.

Warum das zu kurz gedacht ist

Anthropic ist weiterhin an verschiedenen Stellen in militärischen Projekten verwickelt. Das wird gerne ausgeblendet. Der Pentagon-Rückzug war ein extrem kluger PR-Schachzug: Die Nutzerzahlen explodierten, die Claude-App war zeitweise auf Platz 1 der App-Charts. Das kompensiert den verlorenen Pentagon-Vertrag mit Sicherheit.

Der Widerspruch in der Claude-Verfassung

Noch vor drei Jahren positionierte sich Anthropic als Gegenpol zur unkontrollierten KI-Entwicklung – mit dem erklärten Ziel, bestimmte Arbeiten bewusst nicht zu veröffentlichen. Heute veröffentlicht das Unternehmen mit Claude Code eines der leistungsstärksten Tools am Markt und spricht offen über einen möglichen Börsengang.

In der eigenen Claude-Verfassung bedauern die Entwickler den kommerziellen Druck der KI-Entwicklung – während sie genau diesen Druck durch aggressive Produktveröffentlichungen und Börsenpläne selbst befeuern. Das ist Ethics-Washing: Das ethische Image wird wie ein schützender Sticker vor sich hergetragen, während nach den gleichen kapitalistischen Spielregeln gespielt wird wie bei der Konkurrenz.

Wichtig: Das heißt nicht, dass Anthropic ein schlechtes Unternehmen ist. Claude ist und bleibt das Haupttool. Aber solche Dinge einzuordnen, statt blindlings jedem Narrativ zu folgen – das gehört zum Kopf-Einschalten dazu.

Mein KI-Setup: Ehrlicher Blick hinter die Kulissen

ChatGPT → Google-Ersatz

ChatGPT wird kaum noch genutzt. Der Plus-Plan wird wahrscheinlich gekündigt. Die App kommt nur noch für den Voice Mode zum Einsatz – wenn die Tochter eine Frage stellt oder schnell etwas nachgeschlagen werden muss. Im Endeffekt: ein gemütlicher Google-Ersatz, nicht mehr.

Claude → Haupttool für echte Arbeit

Für richtige Arbeit – sowohl im Chat als auch besonders mit Claude Code – ist Claude das Tool der Wahl. Die Qualität des Produkts und die kritische Betrachtung des Unternehmens sind zwei unterschiedliche Paar Schuhe.

Gemini → Google-Ökosystem und Bildgenerierung

Gemini glänzt in der Google-Infrastruktur: NotebookLM für Wissenscontainer, Deep Research, Google Drive, Gmail – alles im großen Kontext. Dazu die Bildgenerierung mit Imagen, die mittlerweile richtig starke Ergebnisse liefert und das frühere MidJourney-Abo überflüssig macht.

Fünf Projekte mit Claude Code

Was vor einem Jahr als Nicht-Entwickler undenkbar gewesen wäre, ist heute Realität:

  1. KI-Tüpfelchen-Website – Komplett aus Code generiert, ein Next.js-Projekt. Im Dialog mit Claude Code entwickelt, von der grünen Wiese bis zur fertigen Seite in wenigen Stunden.

  2. KKP-Landingpages – Mehrere Landingpages für einen neuen Funnel bei Kernkompetenz Pferd. Komplett mit KI gecodet, laden blitzschnell im Vergleich zu WordPress/Elementor.

  3. SaaS-Tool ersetzt – Ein kostenpflichtiges Tool für die Fragerunden-Sammlung der KKP-Community durch eine eigenprogrammierte App ersetzt. Weniger als eine Stunde Arbeit, monatliche Gebühren gespart.

  4. Whiteboard-App – Online-Whiteboard für Präsentationen in Workshops und Webinaren, direkt als Unterseite der eigenen Website.

  5. MindMaper-App – Der persönliche Favorit: Text eingeben, KI generiert eine Outline, die als interaktive, aufklappbare Mindmap visualisiert wird. Perfekt für Workshops und Präsentationen – ersetzt das kostenpflichtige Tool Whimsical.

KI-Workshop mit den Pferdeprofis

Gestern fand ein Workshop mit der TK-Pro-Runde bei Kernkompetenz Pferd statt. Das Thema: Behandlungstermine nachbereiten mit KI-Unterstützung.

Der Workflow

Therapeuten, Tierärzte und Trainer kennen das Problem: Termine müssen nachbereitet werden – unter Berücksichtigung von Anamnesebögen, vorherigen Gesprächen, E-Mails und aktuellen Beobachtungen. Der entwickelte Workflow ist bewusst einfach gehalten:

  • Alle vorhandenen Informationen in einen Custom GPT, ein Gem oder einen normalen Chat laden
  • Nach dem Termin eine Sprachnotiz aufnehmen – ob 30 Sekunden oder 20 Minuten auf der Autofahrt zum nächsten Termin
  • Die KI kombiniert alles zu einem Behandlungsbericht, Therapieplan oder was auch immer benötigt wird

Die Herausforderung: Jede:r hat eine andere Ausgangssituation, einen anderen Workflow und andere Anforderungen an das Endergebnis. Aber die Aha-Momente waren bei allen da – KI kann bei der Termin-Nachbereitung enorm viel Zeit sparen.

Bonus: Der Futtermittel-Detektiv

Ein spannendes Experiment zum Schluss: KI als kritischer Prüfer von Pferdefuttermitteln. Kein Ersatz für eine individuelle Futterberatung – aber ein mächtiges Werkzeug, um Werbeversprechen zu hinterfragen.

So funktioniert es

Die KI wird als Futtermittel-Detektiv eingesetzt und kombiniert Wissen aus mehreren Bereichen gleichzeitig: Ernährungswissenschaft, Verdauungsvorgänge beim Pferd, Inhaltsstoff-Analyse und Futtermittelrecht. Man gibt ihr eine Produktseite, einen Flyer oder Screenshots – und sie analysiert alles kritisch.

Was dabei rauskam

Bei jedem getesteten Produkt hat die KI Missstände aufgedeckt:

  • Dosierungs-Schwindel: Die beworbenen Wirkstoffe kommen durch die empfohlene Fütterungsmenge in viel zu geringen Dosen im Pferd an
  • Studien-Missbrauch: Herangezogene Studien arbeiten mit völlig anderen Dosierungen als im Produkt enthalten
  • Illegale Werbeaussagen: Versprechen, die laut Futtermittelrecht gar nicht gemacht werden dürfen
  • Fragwürdige Inhaltsstoff-Kombinationen: Komponenten, die sich gegenseitig in der Wirkung behindern

Wer mehr darüber hören möchte, meldet sich gerne – das Thema hat Potenzial für eine eigene Folge.