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8 Tipps für bessere deutsche KI-Texte

KI-Texte klingen oft steril, glatt und seelenlos – gerade auf Deutsch. Hendrik teilt acht praktische Tipps, mit denen du der KI beibringst, die Krawatte abzulegen und so zu schreiben, wie du wirklich sprichst.

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Das nimmst du mit

  • KI-Texte sind oft zu perfekt – bewusst kleine Unvollkommenheiten einbauen (hab statt habe, grad statt gerade) macht sie menschlicher.
  • Deutsche Anführungszeichen (unten/oben statt oben/oben) und weniger Gedankenstriche sind einfache Hebel gegen den typischen KI-Look.
  • Eine Brand Voice, also eine Markenstimme als Dokument, spart 90 % der Zeit beim Prompting und sorgt für konsistenten Stil.
  • Typische KI-Phrasen wie 'in der heutigen digitalen Welt' oder 'auf das nächste Level' entlarven Texte sofort – eine Verbotsliste hilft.
  • Zahlen, Währungen und Datumsformate kommen oft im englischen Format raus. Eine klare Anweisung für deutsche Konventionen gehört in jeden Masterprompt.

Das Problem: Texte wie aus dem Rechenzentrum

Wie oft hast du einen Text von der KI generieren lassen, ihn durchgelesen und dir gedacht: Ganz okay, aber irgendwie seelenlos und überhaupt nicht ich? KI-Texte haben oft diesen glatten, polierten Plastik-Look. Grammatikalisch perfekt, aber emotional so trocken wie ein Zwieback. Und deine Leser merken das – sie vertrauen dir weniger, wenn du ihnen offensichtlich KI-generierte Texte vorsetzt.

Aber es muss nicht kompliziert sein. Acht Tipps, mit denen du der KI beibringst, die Krawatte abzulegen.

Tipp 1: Nutze die richtige KI

Probiere verschiedene Modelle aus. Für deutsche Texte arbeitet Hendrik aktuell gerne mit Gemini, weil es sich oft besser an vorgegebene Stile hält und der Satzbau weniger vorhersehbar ist. Aber ChatGPT und Claude können das genauso. Das Wichtigste: Fang an, nimm das Tool, das du kennst und magst. Wechseln oder vergleichen kannst du später immer noch.

Und egal welches Tool – die folgenden Tipps funktionieren bei allen.

Tipp 2: Erstelle deine Markenstimme

Hast du wirklich Lust, der KI jedes Mal neu zu erklären, wer du bist und wie dein Schreibstil funktioniert? Das ist, als würdest du einem neuen Mitarbeiter jeden Morgen die Kaffeemaschine erklären.

Die Lösung: Ein Brand-Voice-Dokument. Der Personalausweis deiner Marke. Darin steht nicht nur, wer du bist, sondern vor allem, wie du sprichst – und wie nicht. Seriös oder locker? Fachbegriffe oder einfache Sprache? Einmal erstellt, kopierst du es vor jeden neuen Chat oder gibst es als Custom Instruction mit. Das spart locker 90 % der Zeit beim Prompting.

Ein besonderer Trick: Wenn du einen Podcast machst oder Vorträge hältst, ist das Transkript bereits deine gelebte Markenstimme. Freischnauze gesprochen. Da muss die KI nur noch gesagt bekommen: Übernimm die Brand Voice aus dem Transkript.

Tipp 3: Perfektion ist langweilig

Klingt paradox, aber: KI-Texte sind zu perfekt. Kein Komma fehlt, jeder Satz ist aalglatt. Aber kein Mensch schreibt so – zumindest nicht in E-Mails, Blogposts oder Social Media. Wir verschlucken Endungen, schreiben „hab" statt „habe" oder „grad" statt „gerade".

Damit dein Text menschlich wirkt, musst du ihn ein kleines bisschen kaputt machen. Die KI kann angewiesen werden, umgangssprachliche Abkürzungen einzubauen. Bonus: Lass die KI deine bisherigen Texte auf häufige Fehler analysieren und baue deine persönliche Fehlerliste als Anweisung ein.

Tipp 4: Deutsche Anführungszeichen

Wenn du diesen Punkt einmal gesehen hast, kannst du nicht mehr daran vorbeisehen. KIs lieben englische Anführungszeichen: oben und oben. Im Deutschen nutzen wir aber unten und oben – das öffnende Anführungszeichen ist unten.

Für das geschulte Auge und für KI-Textdetektoren ist das falsche Anführungszeichen neben dem Gedankenstrich eines der sichersten Indizien für KI-Text. Die Lösung ist simpel: Der KI sagen, sie soll deutsche Anführungszeichen nutzen.

Kleiner Hinweis: Claude formatiert deutsche Anführungszeichen manchmal falsch. In Gemini oder ChatGPT funktioniert es oft zuverlässiger.

Tipp 5: Schluss mit der Gedankenstrichwut

KI-Modelle lieben Gedankenstriche. Hier noch schnell ein Einschub, da noch eine Erklärung – und am Ende hast du einen Schachtelsatz über drei Zeilen, der den Lesefluss zerschießt. Das wirkt unruhig und schreit nach KI.

Natürlicher: Einfach mal einen Punkt setzen, ein Komma oder ein Semikolon. Für Nebenbemerkungen funktionieren auch Klammern gut. Die KI kann angewiesen werden, Gedankenstriche durch lesbare Alternativen zu ersetzen. Wichtig dabei: Zusammengesetzte Wörter mit Bindestrich (wie Online-Kurs) bleiben natürlich unverändert.

Tipp 6: Weniger Emojis

Emojis sind toll – in Maßen. Aber KIs, besonders Claude und ChatGPT, finden sie ein bisschen zu toll. Wenn du einen Social-Media-Post generieren lässt, sieht das Ergebnis oft aus wie eine Nachricht von einer übereifrigen Network-Marketing-Tante. Jedes Substantiv bekommt ein Bildchen und am Ende starten drei Raketen.

Die Lösung: Der KI klar sagen, ob keine Emojis oder maximal eine bestimmte Anzahl pro Textlänge gewünscht ist. Deine Texte müssen durch den Inhalt überzeugen, nicht durch bunte Deko.

Tipp 7: KI-Phrasen eliminieren

Das ist ein Lieblingsthema, weil es so verräterisch ist. Typische KI-Phrasen:

  • „In der heutigen digitalen Welt"
  • „Tauche ein in das Abenteuer"
  • „Es ist wichtig zu beachten, dass"
  • „Dies ist der absolute Game-Changer"
  • „Damit heben wir es auf das nächste Level"

Diese Sätze hat die KI millionenfach ausgespuckt. Sie sind Füllwatte der Sprachmodelle – klingen nett, sagen aber nichts aus. Dazu gehören auch Warnzeichen wie „total fancy" oder „die UI ist clean".

Die Lösung: Eine Liste mit verbotenen Phrasen, die die KI durch konkrete, bildhafte Sprache ersetzen soll. Starke Verben, direkte Aussagen, keine Füllwörter.

Tipp 8: Keine Copy-Paste-Fehler

Fast zu simpel, um ihn zu erwähnen – aber es passiert immer wieder. Du liest einen Blogpost und stolperst über: „Hier ist der Entwurf für deinen Text, der freundlich und professionell klingt." Aua. Da hat jemand alles kopiert, inklusive der höflichen Chatbot-Antwort.

Die Lösung: Der KI sagen, sie soll ausschließlich den fertigen Text ausgeben. Ohne Grußformeln, ohne Erklärung, ohne „Ich hoffe, das hilft dir weiter". Nur den reinen Content.

Bonus: Deutsche Zahlen- und Abkürzungsformate

KI-Modelle wurden hauptsächlich mit englischen Texten trainiert. Das merkt man bei Zahlen, Währungen und Abkürzungen:

  • „23€" statt „23 €" (mit Leerzeichen)
  • „50%" statt „50 %" (mit Leerzeichen)
  • „z.B." statt „z. B." (mit Leerzeichen nach jedem Punkt)
  • Amerikanisches Datumsformat statt Tag.Monat.Jahr
  • Punkt statt Komma als Dezimaltrenner

All das gehört als klare Anweisung in den Masterprompt.

Zusammenfassung

  1. Geh los und probiere verschiedene KIs aus
  2. Erstelle deine Markenstimme als Dokument
  3. Baue bewusst kleine Unvollkommenheiten ein
  4. Korrigiere die Anführungszeichen
  5. Ersetze Gedankenstriche durch bessere Alternativen
  6. Verzichte auf Emoji-Überflutung
  7. Eliminiere typische KI-Phrasen
  8. Vermeide Copy-Paste-Fehler
  9. Achte auf deutsche Zahlen- und Abkürzungsformate

All diese Regeln lassen sich in einem einzigen Masterprompt kombinieren – einmal in die Projektinstruktionen kopiert, und die Texte klingen automatisch menschlicher. Oder einfach als Nachbearbeitungs-Prompt nutzen, um einen fertigen Text nochmal überprüfen zu lassen.