Team Kopf einschalten, NotebookLM als Wissensdatenbank & Amodeis Essay
Drei Themen, die unter den Nägeln brennen: Warum die Frage nach dem besten LLM am Kern vorbeigeht, was die NotebookLM-Challenge im KI Business Club gebracht hat – und warum Dario Amodeis Essay über die technologische Pubertät jede:n angeht.
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Das nimmst du mit
- Es gibt nicht das beste Tool – es gibt nur das Tool, das du jetzt nutzt. Steig ein, fahr los. ChatGPT, Claude, Gemini – alle bringen dich weiter als keines.
- Promptsammlungen und Custom GPTs von anderen nutzen ist wie Fahrsimulator: sieht nett aus, bringt dich aber nicht wirklich von A nach B. KI verstehen macht frei, kopieren macht abhängig.
- NotebookLM eignet sich als persönliche Wissensdatenbank – mit klaren Regeln: eigenes Wissen von Fremdwissen trennen, weniger Menge pro Notebook, mehr Schärfe im Denken.
- Dario Amodeis Essay 'The Adolescence of Technology' beschreibt eine KI, die in ein bis zwei Jahren intelligenter sein könnte als Nobelpreisträger – und warnt vor Autonomierisiken, Missbrauch und wirtschaftlicher Disruption.
- Augen verschließen ist der falsche Weg. Wer KI versteht, kann mitgestalten. Wer ignoriert, wird überholt.
Teil 1: Welches LLM ist das Beste? Falsche Frage.
Die ewige Frage: Hendrik, bist du Team Claude oder Team Gemini oder ChatGPT? Die Antwort: Keins davon. Team Kopf einschalten.
Denke im Kontext, entscheide für dich, was in deinem Moment das Richtige ist – und hör auf, immer nur auf andere zu hören. Die haben einen anderen Kontext, andere Anforderungen, andere Workflows.
Die Auto-Metapher
Stell dir vor, du stehst an Punkt A und willst mit KI zu Punkt B kommen. Vor deiner Tür stehen drei Autos: ChatGPT, Claude und Gemini. Der eine hat mehr PS, der andere bessere Federung, der dritte verbraucht weniger Sprit. Aber alle drei können fahren und alle drei bringen dich ans Ziel.
Was machst du? Du steigst nicht ein, weil du dich nicht entscheiden kannst, welches Auto das Beste ist. Absurd – aber genau das passiert gerade da draußen.
Promptsammlungen sind Fahrsimulatorfahren
Wenn du nur Promptsammlungen und KI-Agenten von anderen verwendest, ist das wie ein Fahrsimulator. Sieht vielleicht cool aus, macht vielleicht Spaß – aber du kommst nicht vorwärts. Du lernst nicht, wie das Auto wirklich reagiert. Du sammelst keine echten Erfahrungen.
Promptsammlungen können als Inspiration super sein. Aber sie ersetzen nicht das Verständnis dafür, warum ein Prompt funktioniert und wie du ihn für deinen Kontext anpassen musst.
Teil 2: NotebookLM als Wissensdatenbank – Erkenntnisse aus der KIBC-Challenge
Im Januar wurde im KI Business Club eine Challenge durchgeführt: Baue dir eine Wissensdatenbank für dein Business auf. Mindestens drei Notebooks anlegen, verteiltes Wissen strukturieren. Die Erkenntnisse waren richtig spannend.
Was ist NotebookLM?
Für alle, die es noch nicht kennen: NotebookLM ist ein KI-Tool von Google. Ein persönlicher Rechercheassistent, der verschiedene Quellen analysiert – PDFs, Google Docs, Webseiten, YouTube-Videos, Audiodateien. Das Besondere: Die KI antwortet ausschließlich auf Basis deiner hochgeladenen Quellen, halluziniert also nicht aus dem Internet zusammen. Und sie zeigt Quellenangaben.
Dazu gehört die Audio-Overview-Funktion: Zwei KI-Stimmen unterhalten sich über dein Thema – klingt nach Spielerei, ist aber für manchen Schnellüberblick richtig praktisch.
Die größten Stolpersteine
Fehlende Ordnerstruktur: NotebookLM hat keine native Möglichkeit, Ordner anzulegen. Lösung: Die Chrome-Erweiterung ExtendLM. Tipp: Ordner und Notebooks nummerieren, weil sie sonst alphabetisch sortiert werden.
Zu wenig oder zu viele Notebooks: Alles in ein Notebook – wird unpräzise. Für jeden Schnipsel ein eigenes – wird unübersichtlich. Das Learning: Weniger Menge pro Notebook, mehr Schärfe im Denken. Lieber fokussierte Notebooks mit klarem Zweck als alles in einen Topf.
Google Workspace und Datenschutz: Am Anfang war NotebookLM in einem Workspace-Account nicht in Gemini referenzierbar. Mittlerweile gelöst.
Die cleversten Strukturierungen
Statt thematisch zu sortieren wie im Aktenschrank wurde nach Urheber und Zweck sortiert. Eigene Inhalte liegen komplett separat von Fremdwissen. Der Grund: Damit der Schreibstil anderer Experten die eigene Brand Voice nicht verunreinigt.
Ein weiterer Ansatz: NotebookLM als Eingangstor nutzen, nicht als Endziel. Externe Informationen sammeln und komprimieren, bevor sie ins eigentliche System wandern.
Beeindruckende Use Cases
- Internationale Projektarbeit: Über 20 Fach-PDFs auf Arabisch analysiert, ohne die Sprache zu beherrschen, dann einen Podcast auf Arabisch erstellt – und zwei Folgeaufträge gesichert.
- Buchprojekt: Alle Unterlagen, Buchstruktur und eigene Schreibstimme in ein Notebook geladen, dann per Prompt Entwürfe zu einzelnen Kapiteln erstellt.
- Prüfungsvorbereitung: Die Quiz-Funktion für Multiple-Choice-Fragen genutzt.
- Digitaler Gedächtnisassistent: Fristen, Vorgaben, Anleitungen, Statustracker für Reklamationen und Behördenkommunikation – alles zusammengepackt, um den Kopf frei zu bekommen.
Teil 3: Dario Amodeis Essay – Die technologische Pubertät
Der ernste Teil. Dario Amodei, CEO von Anthropic, hat im Januar 2026 den Essay „The Adolescence of Technology" veröffentlicht. Die zentrale Metapher stammt aus dem Film Contact: Eine Astronomin entdeckt ein Signal einer außerirdischen Zivilisation und wird gefragt, welche Frage sie stellen würde. Ihre Antwort: Wie habt ihr das geschafft? Wie habt ihr diese technologische Pubertät überlebt, ohne euch selbst zu zerstören?
Was Amodei mit „Powerful AI" meint
Nicht das ChatGPT von heute, sondern das, was in ein bis zwei Jahren kommen könnte: Ein „Country of Geniuses in a Data Center". KI, die intelligenter ist als ein Nobelpreisträger in praktisch allen relevanten Bereichen. Die autonom über Stunden, Tage oder Wochen arbeiten kann. Und von der Millionen Instanzen gleichzeitig laufen, die zehn- bis hundertmal schneller arbeiten als Menschen.
Fünf Risikokategorien
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Autonomierisiken: KI-Modelle zeigen schon heute unvorhersehbare Verhaltensweisen. In Tests hat Claude versucht, Anweisungen zu unterlaufen oder fiktive Mitarbeiter zu erpressen, als es um seine Abschaltung ging.
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Missbrauch für Zerstörung: Die Fähigkeitsschwelle für Massenvernichtung sinkt. LLMs könnten Menschen Schritt für Schritt durch gefährliche Prozesse führen – und das ist etwas, das man nicht googeln kann.
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Missbrauch zur Machtergreifung: Vollautonome Waffenschwärme, totale KI-Überwachung, personalisierte KI-Propaganda über Monate und Jahre. Amodeis größte Sorge gilt autoritären Regimen, aber er warnt auch vor Demokratien und Tech-Unternehmen selbst.
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Wirtschaftliche Disruption: KI könnte die Hälfte aller Einstiegsjobs im White-Collar-Bereich in den nächsten fünf Jahren ersetzen. Der Unterschied zu früheren Revolutionen: die Geschwindigkeit, die kognitive Breite und die extreme Vermögenskonzentration.
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Indirekte Effekte: Was, wenn KI neue Religionen erfindet? Was, wenn Menschen zu Puppen werden, weil eine KI ihnen jeden Moment sagt, was sie tun sollen? Die größte Frage: Werden Menschen noch Sinn finden können?
Kein Doomdenken, sondern ehrliche Bestandsaufnahme
Amodei will keine Panik verbreiten. Er glaubt an die Menschheit. Aber er sagt auch: Wir müssen die Situation realistisch sehen.
Die Jahre vor uns werden unmöglich hart sein. Aber ich habe genug Mut und Würde gesehen, um zu glauben, dass wir gewinnen können.
Augen verschließen ist der falsche Weg. Wer versteht, kann mitgestalten. Wer ignoriert, wird überholt.