HorseUp – die smarte Gesundheitsakte fürs Pferd
Das Startup HorseUp baut eine kollaborative, KI-gestützte Gesundheitsakte fürs Pferd – damit Tierarzt, Osteopathin und Besitzer endlich auf dieselben Daten zugreifen.
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Das nimmst du mit
- HorseUp bündelt Pferdegesundheitsdaten aus verschiedenen Quellen – Arztberichte, Osteopathie-Befunde, Sprachnachrichten – in einer einzigen digitalen Akte.
- KI macht die Dateneingabe praxistauglich: Speech-to-Text, Bilderkennung und PDF-Scan ermöglichen mühelose Erfassung direkt am Stall.
- Die Besitzerin behält volle Kontrolle darüber, welcher Dienstleister welche Daten sehen darf und wie lange.
- Perspektivisch soll KI-Analyse Muster erkennen, die dem einzelnen Experten verborgen bleiben – etwa Zusammenhänge zwischen Blutwerten und Futteranalysen.
- Pferdegesundheitsdaten unterliegen nicht denselben strengen Datenschutzregeln wie menschliche Patientendaten – HorseUp wendet trotzdem den gleichen Standard an.
Zu Gast: Judith, Jule und Rob – das Team hinter HorseUp
Drei Gründer, drei Perspektiven: Judith Strasser ist die Ideengeberin, Pferdemensch seit über 20 Jahren und kennt die Frustration fehlender Gesundheitsdaten aus eigener Erfahrung. Jule ist Pferdemanagerin und Pferdeosteopathin und bringt den fachlichen Blick aus der Behandlungspraxis mit. Rob kommt aus dem Tech- und Startup-Bereich, hat mit Pferden bisher wenig zu tun gehabt – und übernimmt die technische Entwicklung.
Kennengelernt auf der Messe Passion Pferd, steckt HorseUp noch in den Kinderschuhen. Gerade deshalb ist der Einblick so spannend: Hier entsteht gerade etwas, das ein echtes Problem in der Pferdewelt lösen kann.
Das Problem: Daten im Dunkeln
Jeder, der ein Pferd besitzt, kennt die Situation. Die Osteopathin schickt ihren Befundbogen per E-Mail als PDF. Die Trainerin gibt Feedback in einer WhatsApp-Sprachnachricht. Vom Tierarzt gibt es eine Rechnung mit einer kurzen Diagnose. Die Blutanalyse liegt irgendwo in einem Ordner. Und wenn man den Hufschmied fragt, was beim letzten Mal auffällig war, dann war da vor zwei Jahren irgendwas mit dem Fesselträger – aber welches Bein genau? Keine Ahnung.
Diese Fragmentierung von Gesundheitsdaten ist nicht nur lästig, sie kostet Geld, Zeit und im schlimmsten Fall die Gesundheit des Pferdes. Judith hat das mit ihrem ersten Pferd am eigenen Leib erfahren: Das Tier hatte viele Wehwehchen, der Vorbesitzer war leider verstorben, und damit waren auch die Gesundheitsinformationen verloren. Als Erstbesitzerin mit wenig Erfahrung den Überblick zu behalten und die richtige Behandlung zu finden – das war überfordernd.
Wenn man gar nicht mehr weiß, was man wissen will, weil man den Überblick verloren hat, dann hat man auch keine Fragen mehr. Genau da wollen wir ansetzen.
Was HorseUp sein soll
HorseUp wird eine smarte, kollaborative Gesundheitsakte fürs Pferd. Das bedeutet: Alle Gesundheitsinformationen – von Tierärztin, Osteopathin, Hufschmied, Sattlerin, Trainerin – werden an einem Ort gesammelt, digitalisiert und so aufbereitet, dass sie für zwei Zielgruppen gleichzeitig nützlich sind.
Für Pferdebesitzer
Verständliche Aufbereitung komplexer Befunde. Kein medizinisches Studium nötig, um zu verstehen, was die Tierärztin eigentlich geschrieben hat. Die KI übersetzt Fachsprache in Alltagssprache – so wie man es von ChatGPT kennt, wenn man sagt: Erkläre mir das, als wäre ich fünf.
Für Gesundheitsdienstleister
Zugriff auf eine vollständige Vorgeschichte des Pferdes. Statt beim ersten Termin bei Null anzufangen, liegt bereits eine Datenbasis vor. Die Osteopathin sieht den letzten Tierarztbefund. Die Zahnärztin kann den Zusammenhang zwischen Gebiss und Fütterung nachvollziehen. Der ganzheitliche Blick wird möglich, ohne dass jeder Einzelne alles selbst erfragt.
Wo KI den Unterschied macht
Die Vision einer kollaborativen Gesundheitsakte wäre theoretisch auch ohne KI möglich – aber nicht praxistauglich. Der Knackpunkt: Qualitativ hochwertige Daten müssen in die Akte gelangen, und die Menschen, die sie liefern sollen, haben dafür schlicht keine Zeit.
Synchronisation: Daten aus allen Quellen zusammenbringen
Gesundheitsdaten kommen in den verschiedensten Formaten an. Ein PDF per E-Mail, eine Audiodatei, ein Foto mit der App, ein Export aus dem CRM-System des Tierarztes. Diese Vielfalt zu harmonisieren ist Aufgabe der KI – automatisch, ohne dass jeder Beteiligte sein System umstellen muss.
Normalisierung: Strukturierte Daten aus Bildern und Sprache
Aus einem Foto eines Hufs oder einem Video einer Ganganalyse müssen strukturierte Daten extrahiert werden. Aus einer eingesprochenen Zusammenfassung der Osteopathin muss ein sauberer Befund entstehen. Multimodale KI-Modelle machen genau das möglich: Sie verstehen Text, Bild, Audio und Video und überführen alles in ein einheitliches Format.
Analyse: Muster erkennen, die dem Menschen verborgen bleiben
Perspektivisch – und das ist der langfristige Plan – soll die KI Zusammenhänge aufdecken, die ein einzelner Experte über fünf oder sechs Ganganalysen hinweg vielleicht nicht sieht. Oder Verbindungen zwischen einem Blutwert und einer Futteranalyse herstellen. Nicht als Ersatz für den Experten, sondern als zusätzliche Perspektive.
Niemand kann alles wissen. Bei so einem komplexen Lebewesen wie dem Pferd gibt es so viele Zusammenhänge – da ist es eine absolute Unterstützung, wenn die KI nochmal einen Tipp gibt: Hey, hast du vielleicht das Blutbild von vor zwei Jahren mal angeguckt?
Talk to my data: Gesundheitsdaten verstehen
Wenn alle Daten an einem Ort liegen, wird etwas möglich, das Rob als Talk to my data beschreibt. Statt sich durch Befunde zu quälen, kann man einfach fragen: Was steht im neuesten Report? Gibt es Zusammenhänge, die wichtig sind? Was hat die Tierärztin eigentlich gemeint?
Das funktioniert über ein normales LLM – ob Gemini, ChatGPT oder ein anderes Modell. Entscheidend ist nicht das spezifische Modell, sondern dass die Daten vollständig und strukturiert vorliegen. Und genau das ist die Aufgabe, die HorseUp übernimmt.
Datenschutz: Höhere Standards als nötig
Ein Thema, das bei Gesundheitsdaten sofort aufkommt – auch wenn es bei Pferden rechtlich anders aussieht als beim Menschen. Pferdegesundheitsdaten sind laut Gesetz keine kritischen Daten im Sinne der menschlichen Patientenakte. HorseUp wendet trotzdem die gleichen Maßstäbe an: Server in Deutschland, SOC-2-konforme Provider, Verschlüsselung im Transfer.
Datenkontrolle beim Besitzer
Der spannendste Aspekt: Die Pferdebesitzerin bestimmt, wer welche Daten sehen darf und wie lange. Wenn die Zusammenarbeit mit einem Dienstleister endet, kann der Zugriff entzogen werden – nicht manuell über geteilte Google-Drive-Links, sondern direkt in der App. Das ist ein echter Mehrwert gegenüber dem aktuellen Wildwuchs aus E-Mails, WhatsApp-Nachrichten und freigegebenen Cloud-Ordnern.
KI und Datensicherheit
Personenbezogene Daten gelangen nicht direkt in die KI. Gesundheitsinformationen werden anonymisiert verarbeitet. Und wenn es um die spätere KI-Analyse geht, soll vor allem mit den Daten gearbeitet werden, die Nutzerinnen selbst eingebracht haben – nicht mit unkontrollierten Informationen aus dem World Wide Web. Eine geplante Kooperation mit einer veterinärmedizinischen Hochschule soll sicherstellen, dass Fachwissen in die Algorithmen und Prompts einfließt.
Keine Prozesse umwerfen, sondern mit dem arbeiten, was da ist
Ein kluger Ansatz von HorseUp: Es geht nicht darum, jedem Tierarzt und jeder Therapeutin ein neues System aufzuzwingen. Die bestehenden Prozesse bleiben unangetastet. Stattdessen liegt die Verantwortung für die Datensammlung bei den Pferdebesitzerinnen – unterstützt durch KI-Tools, die das Ganze mühelos machen.
Die Tierärztin dokumentiert weiter in ihrem CRM. Die Osteopathin schickt weiter ihr PDF. Die Trainerin spricht weiter ihre WhatsApp-Nachricht. Aber die Besitzerin kann all diese Informationen in HorseUp einspielen – und die KI kümmert sich um den Rest.
Langfristig sollen auch die Dienstleister selbst von der Plattform profitieren: durch ein Verzeichnis, in dem sie ihr Angebot präsentieren und von Kundinnen in der Region gefunden werden können. Und durch Zugriff auf anonymisierte Muster aus der gesamten Nutzerbasis, die ihre eigene Behandlung bereichern.
Wie geht es weiter?
HorseUp ist aktuell in der MVP-Phase. Das erste Minimum Viable Product wird mit Pferdebesitzerinnen getestet und weiter optimiert. Der nächste Schritt ist die Einbindung der Gesundheitsdienstleister, damit die Akte wirklich kollaborativ wird. Danach folgt das Dienstleisterverzeichnis. Und die KI-gestützte Analyse? Die ist für 2027 geplant.
Die App soll im kommenden Jahr in den App-Stores verfügbar sein. Wer jetzt schon testen oder Feedback geben möchte, findet HorseUp unter horseup.de und auf Instagram unter horseup.health. Das Team freut sich ausdrücklich über Kontakt – denn ein Produkt für Pferdemenschen wird am besten mit Pferdemenschen gebaut.