KI-Kaffeeklatsch mit Eva Stainos – Recherche, Redaktion, Brand Voice
Redakteurin Eva Stainos zeigt, wie sie KI für Recherche, Artikelproduktion und Brand Voice nutzt – und warum der Mensch im Prozess bleiben muss.
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Das nimmst du mit
- KI verkürzt den Rechercheprozess drastisch: Statt Einzelquellen durchzuklicken, liefert sie vorsortierte Zusammenfassungen mit Quellenangaben.
- GPTs sorgen im Marketing für eine einheitliche Brand Voice – egal welcher Mitarbeiter den Text schreibt.
- Der Perplexity-Browser Comet überzeugt durch werbefreie, quellenbasierte Suche und intuitive Bedienbarkeit.
- Human in the Loop bleibt Pflicht: Quellen prüfen, Fakten verifizieren und den eigenen Qualitätsanspruch nicht an die KI delegieren.
- Sensible Daten gehören nicht ungefiltert in KI-Tools – anonymisieren oder datenschutzkonforme Lösungen wie SwissGPT nutzen.
Zu Gast: Eva Stainos – Redakteurin, Marketingexpertin, Pferdemensch
Eva Stainos ist Redakteurin beim Schweizer Pferdefachmagazin Cavallo, Marketingleiterin und Kommunikationsexpertin. Digital war sie schon immer unterwegs – und als die KI kam, war sie sofort dabei. In ihrer Freizeit ist sie am liebsten mit Pferden unterwegs, darunter ein American Miniature Horse. Und sie wohnt in der Schweiz, spricht aber Hochdeutsch, weil sie, wie sie selbst sagt, talentbefreit ist, wenn es um Dialekte geht.
Diese Folge ist ein Experiment: der erste KI-Kaffeeklatsch im Podcast. Kein vorbereitetes Thema, kein Skript – einfach ein offenes Gespräch darüber, wie Eva KI in ihrem Berufsalltag einsetzt.
KI in der redaktionellen Recherche
Der klassische Rechercheweg über Google bedeutet: Anzeigen überspringen, sich durch Cookie-Banner klicken, Artikel einzeln durchlesen und relevante Informationen manuell zusammentragen. KI dreht diesen Prozess um. Statt Quelle für Quelle durchzuarbeiten, liefert sie eine vorsortierte Zusammenfassung – inklusive Quellenangaben.
Der Workflow in der Praxis
Wenn ein aktuelles Thema aufkommt – etwa die Blood Rule im Reitsport – hilft KI, schnell in die Tiefe zu gehen. Internationale Reglemente der FEI sind auf Englisch verfasst, Quellen sind über verschiedene Plattformen verstreut, und die Zusammenhänge sind komplex. KI sammelt die relevanten Informationen, übersetzt bei Bedarf und sortiert vor.
Aber dann kommt der entscheidende Schritt: die Prüfung. Stimmen die Quellen? Existieren die angegebenen Links überhaupt? Denn KI erfindet gerne mal eine Quelle, die es gar nicht gibt. Als Redakteurin mit Qualitätsanspruch gehört diese Gegenprüfung zum festen Ablauf – jede einzelne Quelle wird verifiziert.
Ich vertraue der KI nicht so ganz. Sie halluziniert gerne und ist fantasievoll unterwegs. Aber ich füttere sie gerne mit Informationen und Fakten, denen ich vertraue – Studien, Doktorarbeiten, Bücher, PDFs.
Von der Recherche zum fertigen Artikel
Nach der Recherchephase geht es an die Strukturierung. Entweder lässt Eva sich einen Vorschlag für den Artikelaufbau erstellen, oder sie schreibt selbst vor und die KI legt den sprachlichen Feinschliff obendrauf. Der fertige Entwurf geht dann an die Chefredakteurin, wird gelayoutet und durchläuft ein Lektorat – ein Mensch gibt am Ende sein Go.
GPTs für Brand Voice und Corporate Language
Ein besonders praktischer Anwendungsfall liegt im Marketing. Wenn drei verschiedene Mitarbeiterinnen Texte für Social Media und Blog schreiben, hat jede ihren eigenen Stil. Für die redaktionelle Arbeit ist das sogar erwünscht – Vielfalt macht Texte lebendig. Im Marketing dagegen soll die Unternehmenssprache einheitlich sein.
So funktioniert es
Eva hat GPTs erstellt, die den Unternehmenston abbilden. Jeder Text wird vor der Veröffentlichung durch diese GPTs geschickt: Wording wird angeglichen, Gender-Regeln werden angewendet, der Corporate-Design-Standard wird eingehalten. Die Fehlerquote ist dadurch massiv gesunken.
Auch die Umformatierung zwischen Kanälen wird einfacher. Die Zeitschrift siezt die Leserschaft, auf Social Media wird geduzt. Aus einem Artikel entstehen drei Leckerlis für Social Media – kurze Snacks mit Call-to-Action, die zum vollständigen Blogartikel führen. Alles unter Beachtung der kanalspezifischen Wording-Regeln.
Comet: Der Perplexity-Browser im Redaktionsalltag
Für die Recherche hat sich der Comet-Browser von Perplexity als fester Begleiter etabliert. Der Vorteil gegenüber der klassischen Google-Suche: keine Werbeanzeigen, keine Shopping-Ergebnisse, keine Ablenkung. Die Antworten kommen direkt, quellenbasiert und übersichtlich aufbereitet.
Die Bedienbarkeit ist dabei das Killerargument – einfacher geht es kaum. Für tagesaktuelle Recherchen ist Comet besonders stark, weil die Quellen sauber zusammengestellt werden und direkt überprüfbar sind.
Trotzdem bleibt Comet aktuell ein zusätzliches Tool im Werkzeugkasten. Kein einzelnes KI-Tool hat sich bisher als alleiniger Standard durchgesetzt – und das ist auch in Ordnung. Die Tools entwickeln sich rasant, und was heute der Favorit ist, kann morgen schon überholt sein.
Fokus statt Tool-Overload
Eine ehrliche Empfehlung für alle, die gerade mit KI starten: Ein Tool reicht. ChatGPT im Plus-Account für 20 Dollar im Monat deckt bereits extrem viel ab. Wer Lust hat, kann rechts und links experimentieren – aber wenn KI vor allem Zeit sparen soll, ist Fokus die wichtigste Strategie.
Denn das Paradoxe an der Tool-Vielfalt: Man kann mit dem Ausprobieren verschiedener KI-Tools mehr Zeit verbringen als man durch ihren Einsatz einspart. Jedes Tool hat seine eigene Organisationslogik, seine eigene Hierarchie für Chats und Projekte. Den Überblick zu behalten wird zur eigenen Herausforderung.
Datenschutz: Sensible Daten anonymisieren
Ein Thema, das Eva besonders am Herzen liegt: Datensicherheit. Welche Daten gebe ich der KI? Wenn es sensible Daten sind – lieber lassen. Oder anonymisieren.
Praktische Lösungen
Die einfachste Methode: Personenbezogene Daten manuell entfernen, bevor sie in die KI wandern. Bei einem Feedback-Datensatz mit E-Mail-Adressen reicht es, die Spalte zu löschen. Problem gelöst.
Für professionellere Anforderungen gibt es spezialisierte Tools. In der Schweiz etwa SwissGPT – ein Dienst, der Daten anonymisiert, bevor sie verarbeitet werden, und sicherstellt, dass keine Informationen zu Trainingszwecken verwendet oder nach außen gegeben werden. Solche datenschutzkonformen Lösungen werden gerade im beruflichen Kontext immer wichtiger.
Prozesse überdenken statt blind automatisieren
Der vielleicht wertvollste Tipp aus dem Gespräch: KI nicht nur als schnellere Version bestehender Prozesse nutzen, sondern als Anlass, Prozesse grundsätzlich zu überdenken. Wie verändert sich mein Suchverhalten? Gehe ich noch Quelle für Quelle durch, oder lasse ich mir Ergebnisse liefern und prüfe dann?
Das ist ein komplett anderer Input-Output-Prozess als vorher. Und dafür muss man offen sein. Einfach mal spielen, ausprobieren, was möglich ist. Drei Jahre gibt es die Technologie jetzt – sie steckt noch in den Kinderschuhen, und vieles ist noch offen.
Menschlichkeit als USP
Egal wie viel KI im Spiel ist: Die Menschlichkeit macht den Unterschied. Das Vertrauen zu Kunden, Klienten und Leserschaft entsteht durch echte menschliche Beziehung – nicht durch einen Algorithmus. Oder wie es so treffend heißt: Man wird nicht von der KI ersetzt, sondern von Menschen, die KI benutzen.
Bleibt offen, aber dennoch kritisch. Übernehmt nicht alles eins zu eins, sondern prüft das – und lernt, wo ihr heutzutage noch seriöse und korrekte Quellen findet. Vertrauen ist wichtig und Menschlichkeit auch.