ProHorse AI – ein digitaler Pferdetrainer aus dem Rollstuhl
Sandra Glöckler hat ihr Pferdetraining-Wissen in einen KI-Chatbot gepackt – personalisiert, barrierefrei und bald mit Sprachsteuerung und Smart Glasses.
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Das nimmst du mit
- ProHorse AI ist ein KI-gestützter Pferdetrainer-Chatbot, der Nutzer individuell abholt – vom Anfänger bis zum Fortgeschrittenen.
- Sandra Glöckler musste ihr Pferdetraining-Wissen seit jeher verbal vermitteln – diese Fähigkeit wurde zur perfekten Grundlage für KI-Trainingsdaten.
- Der Chatbot erstellt personalisierte Trainingspläne, indem er zuerst den Menschen und seine Ziele kennenlernt, statt Standardantworten auszuspucken.
- Spracheingabe und Sprachausgabe sollen das Training direkt am Pferd ermöglichen – Hände frei, AirPods rein, Frage stellen.
- Langfristig soll ProHorse AI über Smart Glasses sogar visuelles Feedback geben, etwa zur Handhaltung beim Longieren.
Zu Gast: Sandra und Leon Glöckler – Pferdeausbildung trifft KI
Sandra Glöckler ist 58 Jahre alt, seit ihrer Geburt spastisch gelähmt in Armen und Beinen und hochintensiv pflegeabhängig. Und sie führt ein Ausbildungszentrum für Mensch und Pferd in Hessisch-Lichtenau – seit zwölf Jahren selbstständig. Sie reitet alleine im Gelände, fährt Auto, betreut acht Pferde auf dem Hof und bildet Menschen und Pferde aus. Ihr Sohn Leon, 30 Jahre alt, arbeitet seit drei Jahren mit am Hof und hat den digitalen Pferdetrainer ProHorse AI gebaut.
Die Geschichte von Sandra ist so außergewöhnlich, dass sie allein schon einen eigenen Podcast füllen könnte. Was sie für die KI-Welt besonders spannend macht: Ihre körperliche Einschränkung hat eine Fähigkeit geschaffen, die sich als perfekte Grundlage für einen KI-Chatbot herausstellt.
Warum gerade Sandra einen KI-Trainer bauen kann
Sandra kann sich kein Glas Wasser einschenken. Aber sie hat ihr Leben lang gelernt, anderen präzise zu erklären, was sie tun sollen – vom Sandkasten über das Aufstelldach des Campingbusses bis zum Satteln eines Pferdes. Jede neue Assistenz muss angelernt werden, und zwar verbal. Diese jahrzehntelange Übung im präzisen Beschreiben von Abläufen hat ein umfangreiches Wissensdokument hervorgebracht: Kapitel für Kapitel hat Sandra ihr Pferdetraining-Know-how eingesprochen und verschriftlicht.
Ich musste schon immer die Dinge beschreiben, die andere Menschen tun sollen. Beim Führen, beim Reiten, bei der Bodenarbeit, beim Verladen. Diese Fähigkeit wurde zur Grundlage für unseren digitalen Trainer.
Videos drehen aus dem Rollstuhl – sieht nicht so cool aus. Ein Bilderbuch schreiben – auch nicht ideal, weil sich ein Mensch im Rollstuhl anders bewegt als ein Fußgänger. Ein KI-Chatbot dagegen vermittelt Wissen rein über Sprache. Und genau das ist Sandras Stärke.
So funktioniert ProHorse AI
Der ProHorse AI Trainer ist kein Chatbot, der auf eine Frage sofort Fakten runterspult. Er beginnt mit einer wichtigen Vorarbeit: Er lernt den Menschen kennen, der ihn nutzt.
Erst verstehen, dann trainieren
Wer den Trainer zum ersten Mal öffnet, wird gefragt: Wer bist du? Was wünschst du dir? Was ist realistisch, hier und jetzt? Erst auf dieser Grundlage entsteht ein individueller Trainingsplan. Für Sandra war von Anfang an klar: Es darf keinen Einheitsplan geben. Ein Anfänger braucht andere Worte und andere Schritte als jemand, der schon fortgeschritten ist. Der Trainer passt sich dem Level an und holt jeden dort ab, wo er steht.
Klare Grenzen
Nicht alles gehört in den Trainer. Futterberatung und medizinische Beratung sind bewusst ausgeschlossen – das ist nicht Sandras Fachgebiet, und Ferndiagnosen bei Tieren sind ein sensibles Thema. Perspektivisch sind Kooperationen mit Tierärztinnen oder Osteopathinnen denkbar, aber aktuell bleibt der Fokus klar auf dem Training.
Kostenlos testen
Unter prohorse.ai gibt es direkt auf der Startseite einen kleinen Chat-Button, über den man erste Fragen stellen kann – noch bevor man sich registriert. Die vollständige Version ist 14 Tage lang kostenlos und ohne Zahlungsdaten testbar. Und der Trainer funktioniert in allen Sprachen: Ob Deutsch, Englisch oder Japanisch – die Antwort kommt in der Sprache der Frage.
Barrierefreiheit und Sprachsteuerung am Pferd
Leon arbeitet an einer Erweiterung, die den Trainer direkt am Pferd nutzbar macht: Spracheingabe und Sprachausgabe. Die Idee dahinter ist pragmatisch – im Stall hat man keine sauberen Hände, trägt Handschuhe oder will schlicht nicht aufs Handy schauen. Mit einem AirPod im Ohr soll es möglich werden, eine Frage zu stellen und die Antwort zu hören, während man beim Pferd steht.
Das reicht vom Einstimmen auf die Trainingseinheit beim Putzen bis zur spontanen Frage mitten im Training, wenn man gerade nicht weiterkommt. Für Sandra selbst ist diese Barrierefeiheit noch einmal besonders wichtig: Sprachsteuerung bedeutet, dass die körperliche Einschränkung komplett wegfällt.
Die Vision: Smart Glasses im Training
Langfristig soll ProHorse AI in die App-Stores kommen und mit smarten Brillen kompatibel werden. Die Vorstellung: Der Trainer sieht und hört über die Brille, was im Training passiert. Beim Longieren könnte er die Handhaltung analysieren, die Haltung der Gerte beobachten und direkt im Sichtfeld Hinweise einblenden.
Das klingt nach Zukunftsmusik – aber die Technologie existiert bereits. Smart Glasses werden immer leistungsfähiger und erschwinglicher. Und der ProHorse AI Trainer hat durch seine sprachbasierte Struktur bereits die richtige Grundlage für diese Erweiterung.
Kein Ersatz, sondern ein Zubot
Ein wichtiger Punkt, der Sandra am Herzen liegt: ProHorse AI soll keine Live-Trainerstunde ersetzen. Es geht um die Lücken dazwischen – abends um 21 Uhr im Stall, am Wochenende, wenn man den Trainer nicht anrufen möchte. Oder in Situationen, in denen es manchen Menschen schlicht peinlich ist, eine Frage zu stellen.
Es geht um die Zeiten, wo ich mich alleine fühle mit dem Pferd. Und es geht um eine pferdegerechte Pferdewelt, in der Know-how zugänglich ist – für jeden, der bereit ist, sich darauf einzulassen.
Der digitale Trainer begleitet den Lernprozess – vom unbewusst Inkompetenten zum bewusst Kompetenten. Und er tut das mit dem Wissen einer Frau, die bewiesen hat, dass Unmögliches möglich wird, wenn der Geist offen ist.
Ausblick
ProHorse AI steckt in einer spannenden Entwicklungsphase. Die Sprachein- und -ausgabe wird gerade ausgefeilt, Video- und Bildintegration ist für zu Hause geplant, und die Vision der Smart Glasses zeichnet den Weg in eine Zukunft, in der KI-gestütztes Pferdetraining so selbstverständlich wird wie eine Reitstunde. Das riecht nach einer Follow-Up-Folge – und im KI-Zeitalter geht das bekanntlich schnell.