KI im Pferdealltag – ein Gespräch am Küchentisch
Veronika von Kernkompetenz Pferd erzählt, wie KI ihr Business leichter gemacht hat – von der Content-Produktion bis zur Weihnachtspause. Und warum der Adler die bessere Strategie ist als das Huhn.
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Das nimmst du mit
- KI ersetzt keine Kreativität – sie beflügelt sie, wenn du zuerst deine eigenen Ideen einbringst und KI dann als Sparring-Partner für Inspiration nutzt.
- Für kleine Teams kann KI den Unterschied machen zwischen Dauerstress und echten Auszeiten – Kernkompetenz Pferd fährt im Dezember den Betrieb runter, während Content weiterläuft.
- Die drei größten Stolpersteine: gar nicht anfangen, sich in Tools verlieren oder KI ohne klare Zielvorstellung einsetzen.
- Wer KI sinnvoll nutzen will, braucht zuerst einen wertebasierten Prozess – nicht das neueste Tool, sondern ein Verständnis dafür, was überhaupt möglich ist.
- Die Adler-Perspektive statt Hühner-Hektik: Erst rauszoomen, Überblick gewinnen, dann gezielt die richtigen Werkzeuge einsetzen.
Premiere am Küchentisch
14 Folgen hat es gedauert – und jetzt sitzt zum ersten Mal Veronika von Kernkompetenz Pferd mit am Mikrofon. Kein Zoom-Call, kein Studio, sondern der eigene Küchentisch. Es geht um den gemeinsamen Alltag mit KI, um Vorurteile, die sich aufgelöst haben, um echte Stolpersteine – und um die Frage, wie KI nicht nur das Business, sondern auch das Leben leichter machen kann.
Kreativität und KI – ein Widerspruch?
Einer der häufigsten Einwände gegen KI lautet: „Wenn ich alles mit KI mache, geht meine persönliche Note verloren." Und ja, diese Sorge ist berechtigt – zumindest teilweise. Es gibt Studien, die zeigen, dass die eigene Kreativität leidet, wenn man sich zu sehr auf KI-Prozesse verlässt und aufhört, selbst mitzudenken.
Aber es gibt einen entscheidenden Unterschied: Wer seine Ideen zuerst selbst entwickelt, sie auf Papier bringt und dann die KI als Sparring-Partner hinzuzieht, erlebt genau das Gegenteil. Die KI liefert andere Perspektiven, unerwartete Inspirationen, Denkrichtungen, die man allein nicht in Betracht gezogen hätte. Das Ergebnis ist nicht weniger persönlich – es ist kreativer.
KI kann ein Kreativitätsboost sein – wenn du zuerst selbst denkst und dann die KI als Sparring-Partner nutzt, statt ihr das Denken komplett zu überlassen.
Der Schlüssel liegt im Prozess: Nicht einfach einen Prompt kopieren und das Ergebnis übernehmen, sondern verstehen, was man erreichen will. Was sind meine Werte? Wie möchte ich KI in meinen Alltag integrieren? Wer sich das von Anfang an bewusst macht, behält die Kontrolle über die eigene Kreativität – und erweitert sie.
Was KI für ein kleines Team bedeutet
Kernkompetenz Pferd ist bewusst klein geblieben. Drei, vier Leute, sehr familiär, kurze Wege. Keine große Agentur, kein aufgeblähtes Team. Das war von Anfang an die Entscheidung – weil Flexibilität und Nähe zu den Kursteilnehmern wichtiger sind als Skalierung um jeden Preis.
Aber klein bleiben hat seinen Preis. Gerade in den letzten Jahren wurde das Business anspruchsvoller. Die Online-Goldgräberstimmung aus der Corona-Zeit ist vorbei. Der Alltag bestand irgendwann zu 80 Prozent aus Marketing: Social Media, Podcast, Blog, Pinterest, Newsletter. Eigentlich war der Anspruch, Pferdegesundheit zu unterrichten – aber im Alltag fühlte es sich an wie ein neues Hamsterrad aus Content-Produktion.
Agenturen wurden ausprobiert, aber das Thema Pferdegesundheit und Tiermedizin ist auf so vielen Ebenen speziell, dass Externe ohne Fachkenntnis kaum brauchbare Ergebnisse liefern konnten. Zusätzliche Mitarbeiter hätten wiederum Personalthemen mit sich gebracht, die vom eigentlichen Kern – der Kursproduktion – abgelenkt hätten.
KI als Lösung für das Hamsterrad
KI hat genau diese Lücke geschlossen. Nicht als Allheilmittel, nicht als Ersatz für das Team – sondern als Werkzeug, das die zeitraubenden Aufgaben übernimmt, die zwar erledigt werden müssen, aber nicht der eigene Kernbereich sind.
Podcast aufnehmen? Das bleibt Handarbeit. Aber aus der Aufnahme einen Blog-Beitrag erstellen, Social-Media-Posts ableiten, das Transkript aufbereiten? Das macht die KI. Die Chatbots in den Kursen beantworten Teilnehmerfragen rund um die Uhr. Content wird vorproduziert und automatisch ausgespielt.
Das Ergebnis: Im Dezember kann der Betrieb drei bis vier Wochen heruntergefahren werden. Der Content läuft weiter, die Podcasts erscheinen, aber niemand muss händisch eingreifen. Das ist kein Luxus – das ist das Resultat eines durchdachten KI-Workflows, der über Monate aufgebaut wurde.
Und das Motiv dahinter ist nicht „mehr, höher, schneller". Es geht um Leichtigkeit. Darum, Weihnachten wirklich feiern zu können. Auf dem Weihnachtsmarkt zu stehen, ein Buch auf der Couch zu lesen, mit dem Kind zu basteln. KI nicht, um noch mehr zu erreichen – sondern um selbst wieder weniger machen zu müssen.
Die drei größten Stolpersteine
Stolperstein 1: Gar nicht anfangen
Es gibt eine große Gruppe von Menschen, die KI noch nie genutzt haben. Kein Tool heruntergeladen, noch nie etwas in einen Chatbot eingegeben. Die Abwehrhaltung ist da – und sie hat in vielen Fällen ihre Berechtigung. Aber wenn diese Menschen dann zum ersten Mal einen gut trainierten Chatbot erleben, etwa den kursbegleitenden KI-Assistenten in der KKP-Welt, ist die Begeisterung riesig.
Die wichtigste Erkenntnis: Die Einstiegshürde muss klein sein. Ein sicherer Rahmen, eine konkrete Anwendung, kein Risiko mit personenbezogenen Daten. Einfach mal ausprobieren – das reicht für den Anfang.
Stolperstein 2: Sich in Tools verlieren
Das andere Extrem: Die Büchse der Pandora ist geöffnet, und jetzt will man alles wissen. Stundenlang KI-Tools ausprobieren, jeden neuen Kurs mitnehmen, jedem Trend hinterherlaufen. Es gibt täglich hunderte neue Tools auf dem Markt – und es verschwinden täglich genauso viele. Wer ohne klares Ziel losläuft, verbringt Stunden mit KI und hat am Ende kein konkretes Ergebnis.
Der Algorithmus verstärkt das Problem: Ein Klick auf eine KI-Tool-Werbeanzeige, und plötzlich werden dir 36 neue Tools am Tag angezeigt, die alle das Einzige und Beste versprechen. Genau deshalb ist es so wichtig, sich von einzelnen Tools zu lösen und den Prozess dahinter zu verstehen.
Stolperstein 3: KI ohne Zielvorstellung nutzen
Die dritte Gruppe nutzt KI bereits und erzielt auch Ergebnisse – aber nicht gezielt. Es wird viel gemacht, aber ohne klare Strategie. Ein alter Grundsatz aus der Automatisierungswelt passt hier perfekt: Wenn du einen schlechten Prozess automatisierst, hast du am Ende einen automatisierten schlechten Prozess.
Wer KI sinnvoll einsetzen will, braucht vorab Klarheit: Was ist mein Motiv? Welche Prozesse sind wirklich relevant? Wo liegt der größte Hebel? Für Kernkompetenz Pferd sind das drei klare Ziele: Inspiration für die eigene Kreativität, Leichtigkeit im Businessalltag und Zeitersparnis.
Der Adler und das Huhn
Diese Analogie stammt aus der Pferdegesundheit und wird bei Kernkompetenz Pferd oft genutzt – aber sie passt perfekt auf den Umgang mit KI.
Das Huhn hüpft aufgeregt von Tool zu Tool, pickt hier ein bisschen, probiert dort etwas aus, rennt dem nächsten Trend hinterher. Am Ende des Tages hat es viel Energie verbraucht, aber nichts Substanzielles erreicht.
Der Adler zoomt erst einmal raus. Verschafft sich einen Überblick. Wo stehe ich? Wo will ich hin? Was brauche ich dazwischen? Und dann geht er gezielt vor – mit den richtigen Werkzeugen für den richtigen Zweck.
Zwei Beispiele aus den vergangenen Podcast-Folgen zeigen das perfekt: Dunja Lang, die mit KI ein Buch geschrieben und sogar als Hörbuch vertont hat, indem sie sich zuerst den Prozess bewusst gemacht und dann gezielt verschiedene Tools eingesetzt hat. Und Svantje, die ihre Website für ihren Pferdehof nicht mit einem All-in-One-Tool, sondern Schritt für Schritt mit durchdachtem Prozess und verschiedenen KI-Werkzeugen optimiert hat.
Beide haben nicht einfach ein Tool geöffnet und losgelegt. Sie wussten, was sie haben, was sie wollen und wie sie dahin kommen. Das ist die Adler-Perspektive.
KI in der Pferdewelt: Riesenchancen mit kleinen Schritten
Die Pferdewelt ist neugierig und offen für Neues – das zeigt sich gerade in der Kernkompetenz-Pferd-Community. Die KI-Ganganalyse hat bei den Kursteilnehmern ganz neue Welten aufgemacht. KI-Assistenten in den Workshops werden begeistert angenommen. Ernährungspläne, Trainingskonzepte, Feedback-Analyse – der Mehrwert ist sofort spürbar.
Gleichzeitig gibt es noch eine riesige Lücke zwischen der KI-Blase und der Realität. Viele Menschen haben ChatGPT noch nie benutzt. In der Tierarztpraxis werden Patientenakten teilweise noch mit Hand auf Papier geschrieben. Deutschland ist konservativ, die Pferdewelt noch einmal konservativer.
Aber genau darin liegt die Chance: Schon mit einem Bruchteil der KI-Möglichkeiten lässt sich enormer Mehrwert schaffen. Ganz klassisch Pareto – 20 Prozent der Möglichkeiten bringen 80 Prozent der Begeisterung. Es muss nicht das große, komplexe System sein. Die kleinen Alltagshelfer machen den Unterschied.
KI verstehen – nicht nur für Business
Ein wichtiger Punkt zum Schluss: KI-Verständnis ist nicht nur für Selbstständige und Unternehmer relevant. Auch als Pferdebesitzer, als Reitbeteiligung, als jemand der einfach wissen möchte, was da auf einen zukommt – es lohnt sich, ein Grundverständnis zu entwickeln. Nicht um jedes Tool zu kennen, sondern um bewerten zu können: Ist das, was ich da sehe, relevant? Ist es verlässlich? Wie ordne ich das ein?
Die KI wird nicht wieder verschwinden. Sie wird immer tiefer in den Alltag integriert. Und wer jetzt anfängt, sich damit auseinanderzusetzen – in einem sicheren Rahmen, mit klarem Fokus, wertebasiert –, der ist vorbereitet, wenn es irgendwann Standard ist.