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Ein Fachbuch mit KI schreiben – so geht's richtig

Mentalcoach Dunja Lang hat ihr 250-Seiten-Fachbuch mit Gemini geschrieben – nicht als KI-Textgenerator, sondern als Strukturhilfe für eigenes Expertenwissen.

Buch schreibenGeminiBrand VoiceInterviewWissensbündelung

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  • KI eignet sich hervorragend als Strukturhilfe für Fachbücher – vorausgesetzt, das eigene Expertenwissen bildet die inhaltliche Grundlage.
  • Gemini hat sich für die Buchproduktion als bestes Text-Tool bewährt, weil es weniger Phrasen produziert und präziser auf Instruktionen reagiert.
  • Eine Brand Voice allein reicht nicht – ein Musterkapitel im eigenen Stil liefert der KI deutlich bessere Orientierung als abstrakte Stilbeschreibungen.
  • KI-generierte Texte sind immer nur Vorschläge: Ohne manuelle Überarbeitung und den eigenen roten Stift bleibt das Ergebnis generisch.
  • Wer der KI keine klaren inhaltlichen Grenzen setzt, bekommt ein Sammelsurium aus dem Internet statt eines konsistenten Fachbuchs.

Zu Gast: Dunja Lang – Mentalcoach für Reiter

Dunja Lang ist Mentalcoach mit Schwerpunkt Reitsport. Ehemalige Profireiterin im Springreiten, Psychologin, Sporthypnose-Ausbildung, Traumatherapie – ihr Hintergrund ist alles andere als gewöhnlich. Nach mehreren schweren Stürzen und einem mühsamen Comeback hat sie erfahren, dass die klassischen Ratschläge im Reitsport – „Reit einfach drüber", „Schalt den Kopf aus" – nicht funktionieren. Daraus ist ein systematischer Ansatz entstanden, der neurowissenschaftliche Erkenntnisse, sportpsychologische Techniken und klinische Hypnose verbindet.

Ihr Klientel reicht von Kaderreitern bis zu Freizeitreitern, die Angst vor dem Angaloppieren haben. Die Themen ähneln sich oft: fehlender Fokus, Selbstzweifel, die Suche nach Anerkennung im Außen. Und diese Muster betreffen nicht nur das Reiten – sie spiegeln häufig die gleichen Lebensthemen wider.

Warum ein Buch – und warum mit KI?

Das Konzept hinter Dunjas Arbeit heißt „Ridesport Mentalist System". Es verbindet neurowissenschaftliche Theorie, sportpsychologische Techniken, Sporthypnose und die sogenannte Drehbuchtechnik – und geht damit deutlich über das hinaus, was typische Reitsport-Mentalbücher abdecken.

Das Problem: Dieser Ansatz ist erklärungsbedürftig. Ein Instagram-Post oder ein kurzer YouTube-Clip reicht dafür nicht aus. Webinare und Kurse funktionieren, aber dazu muss jemand erst den Weg dorthin finden. Ein Buch kann diese Lücke schließen – als Referenzwerk, Vertrauensaufbau und Einstieg ins Coaching.

250 Seiten Fachbuch zu schreiben ist allerdings eine Herkulesaufgabe, erst recht neben einem laufenden Coaching-Business. Dunja hat bereits zwei Bücher zu anderen Themen geschrieben und weiß, welcher Aufwand dahintersteckt. Die Entscheidung, KI als Unterstützung einzusetzen, war deshalb ein klarer Pragmatismus-Move: Die Technologie kann Dinge leisten, für die eine Einzelperson sonst Wochen oder Monate braucht.

Die ersten Versuche – und warum sie gescheitert sind

Der Anfang war ernüchternd. Dunja hat ihre gesamten Blogartikel, Kursskripte und Online-Kurs-Materialien in ChatGPT geladen – und ist sofort an die Grenzen des Kontextfensters gestoßen. Also einzelne Kapitel. Der Auftrag: „Mach mir da mal eine Gliederung und Kapitel draus."

Das Ergebnis war unbrauchbar.

Die KI hat im gesamten Internet nach Material gesucht und Techniken eingebaut, die mit Dunjas Konzept nichts zu tun haben. Statt eines konsistenten Fachbuchs entstand ein Sammelsurium aus beliebigen Mentaltraining-Tipps – genau das, was das Buch explizit nicht sein sollte.

KI kannst du nicht einfach laufen lassen. Du musst ihr genaue Instruktionen geben: welche Quelle sie nutzen darf und welche nicht.

Die zentrale Erkenntnis aus dieser Phase: Wer der KI keine klaren inhaltlichen Grenzen setzt, bekommt ein generisches Produkt. Dunjas Spezialwissen – klinische Hypnose, Traumatherapie, Embodiment-Techniken – erfordert eine ganz bestimmte Expertise, an die ein normaler Mentalcoach gar nicht herankommt. Diesen Unterschied kann eine KI nicht von allein erkennen.

Der Wechsel zu Gemini – und die richtige Arbeitsweise

Nach den Fehlversuchen mit ChatGPT und einem Abstecher zu Claude (damals noch ohne Internetanbindung und mit zu vielen wiederkehrenden Phrasen) landete Dunja bei Gemini. Dort stimmte die Balance zwischen Instruktionstreue und Textqualität.

Das Musterkapitel als Schlüssel

Auch die Brand Voice hat anfangs nicht wie gewünscht funktioniert. Ein klassisches Brand-Voice-Dokument – Tonalität, Do's und Don'ts, Stilmerkmale – hat die KI nicht daran gehindert, Blabla zu produzieren. Der Durchbruch kam erst mit einem konkreten Musterkapitel: ein komplett im eigenen Stil geschriebenes Kapitel, an dem sich die KI orientieren konnte.

Statt abstrakter Stilbeschreibungen bekommt die KI so ein konkretes Vorbild. Kombiniert mit klaren Instruktionen pro Kapitel – „Sprich die Leserin mit Du an", „Keine Phrasen", „Vermeide das Wort mentale Stärke" – entstand ein deutlich besseres Ergebnis.

Die Kapitelstruktur als Briefing

Für jedes Kapitel hat Dunja ein detailliertes Briefing erstellt:

  • Welche Kernaussagen sollen enthalten sein
  • Welches Material (Case Studies, Theorie, Techniken) soll einfließen
  • Der gewünschte Aufbau: Ausblick am Anfang, Hauptteil in der Mitte, Summary am Schluss
  • Anonymisierte Fallbeispiele aus dem eigenen Coaching

Die KI hat dann dieses Material in die vorgegebene Struktur gebracht – als Formulierungshilfe, nicht als Autorin.

Arbeiten auf zwei Ebenen: Wald und Bäume

Bei einem 250-Seiten-Buch ist der rote Faden die größte Herausforderung. Dunja hat dafür auf zwei Ebenen gearbeitet:

Die Waldebene: Ein Gliederungsdokument mit allen Kapitelüberschriften, Zwischenüberschriften und Zusammenfassungen. Hier wird sichtbar, welcher Aspekt schon behandelt ist und wo Querverbindungen bestehen.

Die Baumebene: Einzelne Chats pro Kapitel, in denen die konkreten Texte entstehen.

Dazu kamen separate Chats für Querchecks: Wo gibt es Redundanzen? Sind sie förderlich oder störend? Wie sieht der Spannungsbogen über mehrere Kapitel aus? Die KI hat dabei die Rolle eines Lektors übernommen – inklusive Empfehlungen zu Zwischenüberschriften für bessere Lesbarkeit.

Verschiedene Chats für verschiedene Aufgaben zu nutzen ist dabei kein Zufall, sondern Notwendigkeit: In einem einzigen Chat verliert die KI bei dieser Textmenge den Überblick.

KI als Formulierungshilfe, nicht als Autorin

Ein entscheidender Punkt, der dieses Buchprojekt von der Masse der KI-generierten Bücher unterscheidet: Das Wissen stammt komplett von Dunja. Kein zusammengesuchtes Internet-Wissen, keine generischen Tipps, kein Sammelsurium. Kursskripte, Webinare, Coaching-Erfahrungen, Case Studies – alles eigenes Material.

Die KI hat dieses Material strukturiert, formuliert und in eine lesbare Form gebracht. Jeder Output war ein Vorschlag, der manuell überarbeitet wurde. Begriffe, die nicht zu Dunjas Sprache passen – wie „programmiere dein Gehirn" – wurden konsequent gestrichen und der KI erklärt, warum. Manchmal mehrfach.

Das Ergebnis: Ein Buch, das sich liest, wie Dunja spricht. Alltagssprachlich, trotz neurowissenschaftlicher Fundierung. Mit Metaphern statt Fachterminologie. Bisheriges Feedback von Lesern bestätigt das – niemand hat erkannt, dass KI beteiligt war.

Bilder im Buch: Klare Vorstellungen statt KI-Generierung

Jedes Kapitel enthält ein illustratives Bild – nicht KI-generiert, sondern aus dem eigenen Fundus an Kursmaterialien und Grafiken. Ein bis zwei Bilder wurden mit KI erstellt, aber auch diese basieren auf klaren Instruktionen und wurden anschließend von einem professionellen Grafiker aufbereitet: richtige DPI, passende Formate, Kommentare und Pfeile genau dort, wo sie hingehören.

Canva diente dabei als Inspirationsquelle, aber für das finale Buchkonzept war professionelle Aufbereitung unverzichtbar.

Die KI-Buchfalle vermeiden

Ein Trend, der aktuell den Markt flutet: Menschen, die mit KI schnell ein Buch zusammenschustern – ein paar Prompts, ein paar generierte Bilder, fertig ist das Kinderbuch oder der Ratgeber. Das Ergebnis ist in den meisten Fällen generisch und verwässert den Markt.

Dunjas Ansatz ist das Gegenteil: jahrelange Expertise, ein durchdachtes Konzept, die KI als Werkzeug für die Umsetzung. Der Unterschied liegt nicht in der Technologie, sondern in der Substanz dahinter.

Fazit

250 Seiten in sechs Monaten – drei Monate für den Inhalt, drei Monate für Layout und Produktion. Parallel zum laufenden Coaching-Business mit Bestandskunden. Ohne KI wäre das in diesem Zeitraum nicht machbar gewesen.

Das Buch „Mental Grand Prix" ist als Hardcover, Softcover und E-Book bei Amazon sowie im stationären Buchhandel bei Hugendubel, Thalia und Co. erhältlich. In der nächsten Folge geht es weiter mit Teil 2: Wie aus dem Buch ein professionelles Hörbuch mit KI-geklonter Stimme entstanden ist.