KI-Agenten verstehen und selbst erstellen
Was unterscheidet einen KI-Agenten vom normalen Prompt? Wie baust du deinen ersten eigenen Agent – und was kann der neue ChatGPT-Agentenmodus schon heute?
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Das nimmst du mit
- Ein KI-Agent ist wie ein intelligenter Mitarbeiter mit Kontext – ein normaler Prompt dagegen wie ein Laufbote, der jedes Mal neu instruiert werden muss.
- Das Herzstück jedes KI-Agenten ist der Systemprompt: eine klare Arbeitsanweisung mit Rolle, Kommunikationsstil, Aufgaben und Vorgehensweise.
- Drei Fundamentdokumente – Positionierung, Brand Voice, Kundenavatar – machen den entscheidenden Unterschied zwischen generischen und passgenauen Ergebnissen.
- KI-Agenten lassen sich bei allen großen Anbietern ohne Programmierkenntnisse erstellen: als Custom GPT, Project bei Claude oder Gem bei Google.
- Der neue ChatGPT-Agentenmodus zeigt mit virtuellem Desktop und eigenständiger Aufgabenbearbeitung, wohin die Entwicklung geht – steckt aber noch in den Kinderschuhen.
Was sind KI-Agenten – und warum reicht ein Prompt nicht aus?
Der Begriff „KI-Agent" wird gerade inflationär durch die Medien getrieben. Jede Woche ein neues Tool, jede Konferenz ein neuer Buzzword-Vortrag. Aber was steckt eigentlich dahinter? Und warum lohnt es sich, das Konzept wirklich zu verstehen?
Am besten funktioniert die Erklärung über eine Analogie. Auf der einen Seite steht der einfache Prompt – das ist im Grunde ein Laufbote. Du gibst ihm eine Anweisung, er rennt los, kommt mit einer Antwort zurück und wartet dann auf die nächste Instruktion. Willst du etwas anderes, musst du erneut erklären, wer du bist, was du machst und was du brauchst. Jeder neue Chat ist ein leeres Blatt.
Das funktioniert – keine Frage. Mit gutem Prompting, mit Prompt-Ketten und tiefgehenden Anweisungen kommt man schon weit. Aber ein Prompt bleibt immer ein einmaliger Auftrag. Oberflächlicher, generischer und ohne automatische Persönlichkeit.
Auf der anderen Seite steht der KI-Agent. Der ist eher wie ein intelligenter Mitarbeiter, der in deinem Büro sitzt und dich bereits kennt. Er hat deine Positionierung gelesen, deinen Brand Voice Guide studiert und deine Kundenavatare vorliegen. Wenn du ihm sagst „Erstelle einen Instagram-Post zum Thema XY", weiß er bereits, wer du bist, wie du kommunizierst und wen du ansprechen willst.
Statt jedes Mal ein leeres Chatfenster zu öffnen und zehn Minuten lang zu erklären, wer du bist und was du möchtest, sagst du einfach: Erstelle einen Post zum Thema XY. Und der Agent macht das konsistent in deinem Stil, für deine Zielgruppe, jedes Mal.
Der entscheidende Vorteil ist die Konsistenz. Ein KI-Agent arbeitet nach denselben Regeln, mit denselben Informationen, bei jedem Aufruf. Die Ergebnisse variieren nicht, weil du die Anweisung mal anders formuliert hast. Die Qualität bleibt stabil.
Wo du KI-Agenten erstellen kannst
Die gute Nachricht: Du brauchst keine Programmierkenntnisse. Alle großen Anbieter haben ihre eigenen Lösungen – nur die Namen sind unterschiedlich:
- OpenAI: Custom GPT (benötigt ChatGPT Plus für 20 Dollar/Monat)
- Anthropic: Projects bzw. Artifacts bei Claude
- Google: Gems bei Gemini
Im Kern machen sie alle dasselbe: Sie bieten dir eine Oberfläche, in der du deinem KI-Agenten Anweisungen, Trainingsdaten und Werkzeuge mitgeben kannst. Das Layout variiert, die Funktionen unterscheiden sich im Detail – aber das Grundprinzip ist identisch.
Darüber hinaus gibt es zahlreiche weitere KI-Unternehmen und -Plattformen, die eigene Agent-Funktionen anbieten. Die Qual der Wahl ist also real, aber gleichzeitig bedeutet das: Du bist nicht von einem einzigen Anbieter abhängig.
Einen KI-Agenten aufbauen: Schritt für Schritt
Der Aufbau ist toolunabhängig relativ ähnlich. Vier Schritte, die den Kern bilden:
Schritt 1: Titel und Beschreibung
Klingt banal, ist aber wichtig – besonders wenn du mehrere Agenten erstellst. Ein klarer Titel wie „Content-Assistent für Reitbetrieb Lindenhof" oder „Newsletter-Redakteur Pferdepraxis" hilft enorm bei der Organisation. Das Namensschild an der Bürotür, sozusagen.
Schritt 2: Der Systemprompt – das Herzstück
Das ist die Arbeitsanweisung für deinen digitalen Mitarbeiter. Hier legst du fest:
- Welche Rolle der Agent übernimmt
- Wie er kommunizieren soll
- Was seine Hauptaufgaben sind
- Welche Schritte er dabei befolgt
Ein Beispiel: Statt „Schreib mir einen Post zum Thema XY" steht in einem Systemprompt etwas wie: „Du bist Content Manager für einen Reitbetrieb. Deine Aufgabe ist es, aus gegebenen Informationen Instagram-Posts zu erstellen, die unsere Zielgruppe ansprechen. Verwende immer eine freundliche, aber professionelle Sprache. Strukturiere deine Posts mit Hook, Hauptinhalt und Call to Action."
Je detaillierter und präziser dieser Systemprompt ist, desto besser die Ergebnisse. Es gelten hier dieselben Regeln wie beim guten Prompting – nur dass die Anweisung eben dauerhaft hinterlegt ist und nicht jedes Mal neu eingegeben werden muss.
Schritt 3: Trainingsdaten – das macht den Unterschied
Das Besondere an einem KI-Agenten: Du kannst ihn nicht nur mit allgemeinem Internetwissen füttern, sondern mit deinen eigenen Daten. Und genau hier wird es richtig mächtig.
Die drei Fundamentdokumente solltest du als Minimum haben:
Positionierungsdokument – Damit der Agent weiß, wofür du stehst und was dich einzigartig macht. Deine Werte, dein Warum, deine Alleinstellungsmerkmale.
Brand Voice Guide – Damit er annähernd so spricht wie du. Dein Tonfall, deine bevorzugten Begriffe, dein Stil auf verschiedenen Kanälen.
Kundenavatar – Damit er strategisch denkt und deine Zielgruppe gezielt anspricht. Wer sind deine Wunschkunden, was bewegt sie, welche Sprache verstehen sie?
Darüber hinaus kannst du alles hochladen, was für die Aufgabe des Agenten relevant ist: Beispieltexte in deinem Stil, Prozessbeschreibungen, Kursinhalte, Podcast-Transkripte. Bei den Chatbots von Kernkompetenz Pferd sind es zum Beispiel sämtliche Kurstranskripte, Fragerunden-Mitschnitte und Video-Transkripte, die als Trainingsdaten dienen.
Wichtig: Im Systemprompt solltest du dem Agenten explizit sagen, welche Trainingsdaten er für welche Aufgaben verwenden soll. Sonst nutzt er vielleicht das Positionierungsdokument, wenn er eigentlich die Kursinhalte durchsuchen sollte.
Schritt 4: Ressourcen und Tools
Je nach Anbieter kannst du dem Agenten zusätzliche Fähigkeiten geben: Dateien analysieren, Bilder generieren, im Internet recherchieren oder über APIs andere Tools anbinden. Das variiert stark zwischen den Plattformen und ist nicht für den Einstieg relevant – aber gut zu wissen, dass die Möglichkeiten da sind.
Warum KI-Agenten trotz intelligenter Sprachmodelle sinnvoll bleiben
Eine berechtigte Frage: Braucht man überhaupt noch dedizierte KI-Agenten, wenn die neuen Large-Reasoning-Modelle schon so intuitiv mitdenken? Wenn du „Ende gut, alles ..." eingibst, antwortet das Modell nicht mehr nur mit „gut", sondern fragt, ob du ein Gedicht schreiben willst, ob es dir helfen kann – es denkt proaktiv mit.
Das ist beeindruckend. Aber es ist gleichzeitig Fluch und Segen. In einem normalen Chat kann diese Intuition dazu führen, dass du den Fokus verlierst. Du startest mit einer klaren Zielsetzung und landest drei Abzweigungen später bei einem ganz anderen Thema. Inspirierend? Ja. Effizient? Nicht immer.
KI-Agenten lösen genau dieses Problem. Sie halten dich auf Kurs. Sie haben klare Anweisungen und folgen ihnen – jedes Mal. Keine spontanen Abschweifungen, keine ungebetenen Alternativvorschläge. Das macht sie zum idealen Werkzeug für wiederkehrende Aufgaben:
- Social-Media-Posts aus verschiedenen Content-Quellen erstellen
- Kundenanfragen beantworten oder Antwortentwürfe formulieren
- Aus Notizen oder Unterlagen strukturierte Berichte erstellen
- Verkaufs- oder Kundengespräche vorbereiten
- Newsletter-Inhalte aus verschiedenen Aktivitäten zusammenstellen
- Content Repurposing – aus einem Podcast einen Blogartikel, aus einem Newsletter eine Post-Serie
Praxisbeispiel: Der persönliche KI-Assistent
Wie sieht das in der Praxis aus, wenn man KI-Agenten in Automatisierungen einbindet? Ein konkretes Beispiel: Ein persönlicher KI-Assistent, gebaut über die Automatisierungsplattform n8n und angebunden an Telegram.
Der Ablauf: Du schickst eine Text- oder Sprachnachricht an deinen eigenen Telegram-Chat. Das triggert den KI-Agenten, der dann auf deinen Notion-Workspace, Google Kalender und Google Drive zugreift. Die Instruktion ist simpel: „Du bist mein Assistent, erfülle die beschriebenen Aufträge."
Szenario 1 – Idee festhalten: Du fährst vom Stall nach Hause und dir kommt eine Idee für einen neuen Workshop. Du sprichst sie in Telegram ein – Thema, Zielgruppe, erste Gedanken. Der Agent erfasst alles, ergänzt fehlende Punkte, erstellt einen strukturierten Eintrag in Notion, gibt Feedback zur Idee, stellt Verständnisfragen und schlägt nächste Schritte vor.
Szenario 2 – Termin finden: Du brauchst einen freien Slot für ein Interview nächste Woche, am liebsten zwischen 9 und 12 Uhr. Eine Sprachnachricht an Telegram genügt. Der Agent prüft deinen Google Kalender, findet freie Zeiten und schlägt konkrete Termine vor.
Szenario 3 – Befunde einsprechen: Gerade für Therapeuten in der Pferdewelt ein spannender Use Case. Unterwegs Befunde oder Protokolle einsprechen und automatisiert nach definierten Vorgaben aufbereitet bekommen. Statt abends am Schreibtisch alles aus dem Gedächtnis zu rekonstruieren.
Das ist noch die fortgeschrittene Variante, die technisches Know-how voraussetzt. Aber die Entwicklung geht klar in die Richtung, dass solche Automatisierungen bald für jeden zugänglich sein werden.
Exkurs: Der ChatGPT-Agentenmodus
OpenAI hat mit dem Agentenmodus eine Funktion eingeführt, die zeigt, wohin die Reise geht. In einem Satz: Wahnsinnig spannend, echt cool zu sehen – aber noch nicht ganz ausgereift.
Was der Agentenmodus kann: eigenständig komplexere Aufgaben am Computer erledigen. Statt jeden einzelnen Schritt vorzugeben, sagst du einfach „Organisiere mir eine Reise nach XY" – und der Agent arbeitet das schrittweise ab. Kalender verwalten, Präsentationen erstellen, im Internet recherchieren und dabei Webseiten navigieren, Preise vergleichen, Dateien herunterladen.
Das Faszinierendste daran ist der virtuelle Desktop. Du kannst dem Agenten in Echtzeit bei der Arbeit zusehen – wie er Webseiten öffnet, Menüs klickt, Formulare ausfüllt. Das macht den Prozess transparent und vertrauenswürdig, statt einer Blackbox, bei der man nicht weiß, was passiert.
Die Einschränkungen: Aktuell brauchst du ein ChatGPT Plus Abo (20 Euro/Monat) mit 20 bis 40 Anfragen pro Monat. Es ist noch nicht überall verfügbar und OpenAI selbst bezeichnet es als frühes Produkt. Fehler sind nicht ausgeschlossen, die Wunderwaffe ist es noch nicht. Aber der Blick in die Zukunft ist klar.
Dein Geschenk: Der Brainstorm Buddy
Zum Abschluss gibt es etwas zum Ausprobieren. In den Shownotes findest du einen fertigen Systemprompt für einen eigenen KI-Agenten – den Brainstorm Buddy. Er funktioniert als vielseitiger Gesprächspartner, der sich dynamisch an dein Thema anpasst.
So funktioniert er: Er startet mit der Frage, zu welchem Thema er als Brainstorm-Partner dienen soll. Dann erfasst er dein Anliegen durch gezieltes Hinterfragen, stellt kritische Fragen und inspirierende Impulse, passt die Komplexität automatisch an und greift deine Tonalität auf.
Der schnellste Weg zum Testen: Öffne ChatGPT, Claude oder Gemini, kopiere den Systemprompt aus den Shownotes, füge ihn als ersten Prompt in einen neuen Chat ein und schick ihn ab. Der Agent startet automatisch mit seiner Eingangsfrage.
Wenn du ihn dauerhaft nutzen willst: Erstelle ein Custom GPT, ein Gem oder ein Project bei deinem bevorzugten Anbieter, gib dem Ganzen einen Titel und packe den Systemprompt in die Systeminstruktionen. Trainingsdaten brauchst du hier keine – der Brainstorm Buddy lebt vom interaktiven Gespräch.
Einsatzmöglichkeiten gibt es reichlich: Positionierung und Markenauftritt durchdenken, Verkaufsgespräche vorbereiten, Content-Ideen entwickeln, einen neuen Workshop konzipieren. Probier es aus und schau, wo der Dialog dich hinführt.
Das Wichtigste auf einen Blick
KI-Agenten klingen komplexer als sie sind. Im Kern geht es darum, einem KI-System eine klare Arbeitsanweisung und relevanten Kontext zu geben – einmal. Danach arbeitet es konsistent, in deinem Stil, für deine Zielgruppe. Ohne dass du jedes Mal von vorne anfangen musst.
Du brauchst keine Programmierkenntnisse. Du brauchst keine teuren Tools. Du brauchst drei Fundamentdokumente, einen guten Systemprompt und die Bereitschaft, es einfach mal auszuprobieren. Der Brainstorm Buddy in den Shownotes ist dafür der perfekte Einstieg.